siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
Posts mit dem Label Ausbeutung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausbeutung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 18. Dezember 2017

Ein Hund ist mehr wert als ein Schwarzer

Ein Hund oder eine Katze können in Campobello di Mazara mit den Mitteln der Stadt für etwa 2.000 Euro von einem Tierarzt behandelt werden. Dagegen fehlen bei uns die Mittel, um die 1.800 Migrant*innen, die unsere Oliven pflücken, entsprechend zu entlohnen. Beim Surfen im Netz gefunden, bestätigt diese Meldung einmal mehr, dass bei uns die Migrant*innen weniger als nichts wert sind: ihnen können wir alle Freiheiten und Rechte vorenthalten, weil wir sie wie Tiere behandeln, die noch weniger wert sind als Hunde und Katzen.


Dienstag, 5. Dezember 2017

Migrationspolitik und Unmenschlichkeit

„Das Leiden der Migrant*innen, die in Libyen gefangen gehalten werden, ist eine Beleidigung für das Gewissen der Menschheit.“ Wer diese Erklärung abgibt ist kein*e Aktivist*in sondern ein Repräsentant des Hochkommissariats für Menschenrechte der UNO.



Donnerstag, 16. November 2017

Die neuen Sklav*innen

“Ein Freund hatte mir gesagt, dass ich Arbeit finden und die Möglichkeit haben würde etwas Geld zu verdienen. Ich muss weiterhin meine Frau und meine Kinder ernähren, nachdem ich meine Arbeit in Rom verloren habe, wo ich seit vielen Jahren lebe. Aber er hatte mir nicht gesagt, dass ich in diese Hölle geraten würde.“ 


Mittwoch, 4. Oktober 2017

Alcamo und Campobello di Mazara: Kein Ende der Ausbeutung auf sizilianischen Feldern in Sicht

Einige Wochen nach unserem letzten Besuch in Campobello sind wir wieder hier, um die jungen Menschen zu besuchen, die im provisorischen Lager von Erbe Bianche leben. Die Zeltstadt hat sich in der Zwischenzeit stark vergrößert: Mehr als 400 Personen halten sich nun hier auf, in Erwartung der bald beginnenden Olivenernte.


Campobello di Mazara (TP) - Das provisorische Lager von Erbe Bianche

Mittwoch, 5. Juli 2017

Die Kriminalisierung der Unterstützer*innen für Migrant*innen seitens derer, die in Wirklichkeit für Tod und Gewalt verantwortlich sind

Vor kurzem wurde der Internationale Tag des Geflüchteten mit viel Heuchelei und großen Widersprüchen begangen. Einige begnügten sich mit der Veranstaltung eines Fußballmatchs oder eines Festes auf der Piazza. Andere öffneten sogar ihr Aufnahmezentrum, damit die Bürger*innen es wie einen Zoo besichtigen konnten. Die Politiker*innen hatten so Gelegenheit, einen großartigen Auftritt hinzulegen und wortreich für das Schicksal der Migrant*innen einzutreten. Aber es gab auch einige, die ungestört ein Mal mehr Unwahrheiten im Fernsehen sagen und die öffentliche Meinung zu hasserfülltem Rassismus anstacheln konnten.

Hafen von Palermo, 19. Juni, Ankunft des Schiffs Diciotti - Migrant*innen stehen Schlange unter der Sonne, sie warten auf ihre Erstidentifizierung

Donnerstag, 22. Juni 2017

Auf dem Rücken der Jüngsten

“Ich bin 16 Jahre alt, komme aus Ägypten und habe acht Jahre mit meiner Familie in Libyen verbracht; es lief alles gut, bis ihr angefangen habt, alles zu zerstören, zu bombardieren, zu schießen, und wir Schwarzen sind für alle, Libyer*innen und Italiener*innen, zur bevorzugten Zielscheibe geworden.“ K. hat trotz seines jungen Alters ziemlich klare Vorstellungen und schäumt fast über; er möchte seine Wut unserem Vermittler gegenüber geradezu ausspucken. Er ist die erste Person die er trifft und die ihn versteht.


Die Spuren der in Libyen erlittenen Folter auf den Schultern von K.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Die Toten die helfen Wählerstimmen einzufangen

Der Wahlsonntag ist kaum vorbei, doch die wirklich wichtigen Nachrichten werden unter einer Glasglocke gehalten, um sie bestmöglich zu verstecken. Auch heute, wie bereits seit Jahren, gibt es zahlreiche Tote zu beklagen und man wird Zeuge der Übergabe von über 500 Personen an die lybische Küstenwache. Unter ihnen zahlreiche Kinder und sogar Syrer*innen, deren Ankunft in deutschen und italienischen Städten dank der Verteilungsquoten und der humanitären Korridore noch vor wenigen Monaten bejubelt wurde.


Der Hotspot in der Gegend Imbriacola, auf Lampedusa

Samstag, 20. Mai 2017

Ein Meer der Straffreiheit

Am 8. Mai informieren einige Migrant*innen bei ihrer Ankunft in Pozzallo die Behörden, dass mindestens 40 ihrer Mitreisenden auf dem Schlauchboot ertrunken seien.

An den folgenden Tagen wird die Zahl der vermuteten Opfer der zwei Schiffskatastrophen vor der Küste Libyens auf 230 steigen. Am Montag, den 15. Mai erreicht die "Diciotti" der italienischen Küstenwache Trapani mit 484 Migrant*innen und 7 Leichen an Bord.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilt mit: seit Beginn dieses Jahres wurden mehr als 43.000 Migrant*innen im Meer gerettet und bei 1150 liegt die Zahl der Toten und Ertrunkenen, die die europäische Küste nicht erreichen konnten. Diese Zahlen erwecken die Vorstellung von ganzen Ländern, die verschwinden, eine schleichende stumme Katastrophe, über die viele lieber schweigen als die Verantwortlichen dafür zu benennen.

Dienstag, 4. April 2017

Begegnungen und Begehungen in Trapani und Umgebung

Angesichts weiterer Schiffslandungen und der komplexen Situation in der Region haben wir die Lage in Trapani letzte Woche als eher angespannt erlebt. Wir waren dort, um uns einen Eindruck von zwei Aufnahmeeinrichtungen in Marsala zu verschaffen, dem Borgo della Pace und dem ehemaligen Wohlfahrtszentrum Giovanni XXIII.
Die Vos Prudence im Hafen von Trapani

Freitag, 13. Januar 2017

Von den Unsichtbaren und Ausgenutzten

Zwei Monate ist es nun her, dass wir zum ersten Mal Campobello di Mazara in der Region Trapani in Sizilien besucht haben. Wir überprüften damals den Zustand des Camps in der ehemaligen Ölmühle und der dort untergebrachten Migrant*innen, die geblieben sind um Arbeit zu suchen. Uns haben zwei Afrikaner*innen kontaktiert, die uns mitteilten, dass sie vollkommen vernachlässigt werden durch die blinde Politik, durch die Gemeinde, die nicht nicht auf ihre Hilferufe hört, und durch die Ausbeutung, an der die Besitzer*innen von Obstbaumplantagen großen Gefallen finden, die mithilfe der Migrant*innen den Plantagen zu ihrer Wirtschaftlichkeit verhelfen.

Die ehemalige Ölmühle, die aus den Händen der Mafia beschlagnahmt worden ist, Campobello di Mazara - Ph. Alberto Biondo

Mittwoch, 30. November 2016

Rückkehr in die Hölle

Ich bin zum ersten Mal in dieser Hölle. Ich wohne in Brescia, wo ich zusammen mit meinem Vater gearbeitet habe. Aber seit der Krise haben wir nichts mehr zum Leben. Wir haben unsere Lizenz als Wanderhändler verloren und mein Vater ist krank geworden. Wir leben in einer armseligen Hütte und ich reise durch Italien, um auf dem Land zu arbeiten. Einige Freunde haben mir gesagt, ich solle nach Campobello kommen, um Oliven zu ernten und ein bisschen Geld zu verdienen. Stattdessen schlafe ich an diesem Ort, kann nichts essen, da ich kein Geld habe. Meistens muss ich den ganzen Tag arbeiten, um zwanzig Euro zu verdienen, denn hier beuten sie dich bis aufs letzte aus.“

Dienstag, 15. November 2016

Handelsware: Überleben in einem zurückweisenden System

Die Geschichte von A. wiederholt sich in vielen anderen Orten auf Sizilien und betrifft nicht nur Minderjährige, sondern auch Männer und Frauen, die schon seit etlichen Monaten hier sind und die von den selben Institutionen, die sie schützen sollten, zurückgewiesen werden. In den letzten Wochen am Hafen von Catania sind mehr als tausend Migrant*innen angekommen: Allein am Sonntag waren es 850 Menschen an Bord des Schiffes Bourbon Argos und einige Tage zuvor kamen außerdem 288 zusammen mit 20 Leichnamen an.

Montag, 31. Oktober 2016

Warum weiter gestorben wird

Wenig mehr als 100 Euro und einige Wochen Wartezeit - das ist, was jede*r italienische Staatsangehörige braucht, um einen Pass zu erhalten. Ob wir, wenn wir unsere persönlichen Dokumente anfordern und brauchen, uns bewusst sind, dass diese banalen und routinemäßigen Behördengänge für viele noch nie möglich waren oder noch immer nicht möglich sind. Ob die Bürger*innen der europäischen Union auch nur einen Moment daran denken, dass andere für die ihnen selbstverständlichen Freiheiten mit dem Leben bezahlen, oder ins Gefängnis kommen oder ihren Körper verkaufen müssen.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Die große Grenze unserer Städte

Da ist eine Grenze, die wir errichtet haben und die noch größer ist als die Mauern die in der ganzen Welt gebaut werden. Eine Grenze, die aus uns selbst entsteht und aus der Kultur, aus welcher wir seit der Grundschule schöpfen. Es ist die Grenze, die aus unserem Egoismus und Wohlstand erwächst, eine Grenze die tötet noch bevor das Meer es tut. Eine Grenze der es gelingt, Ausbeutung, Tod und Diskriminierung zum „täglichen Sport“ werden zu lassen. Eine Grenze, die die Reichen von den Armen unserer Städte und Viertel trennt. Eine Grenze, die wir ziehen, um gut zu leben und um nicht den Blick jenseits der Mauer zu werfen, die wir erbaut haben.

Friedhof von Agrigento - Ph. Alberto Biondo

Dienstag, 20. September 2016

Vom Meer auf die Felder, Migrant*innen laufen durch unsere Städte


Was haben eine junge Frau aus Ghana, ein Herr mittleren Alters aus Nigeria und ein starker, großer, junger Mann aus dem Senegal gemeinsam? Die Hautfarbe zweifelsohne zuerst, aber auch die Gewalt und die Ausbeutung, unter denen sie alle gelitten haben und die Tatsache, dass sie von unseren Gesetzen getötet wurden.
Unser System hat sich dafür entschieden, die Migrant*innen zu opfern, um sich selbst zu erhalten; Es hat sich entschieden, die zu ächten, die versuchen, aus der Asche, die wir in ihren Herkunftsländern hinterlassen haben, wiederaufzuerstehen; Jungen und Mädchen zu verdammen, die ständig vom Tod begleitet werden, der oft leider die Oberhand gewinnt.
Ankunft in Palermo - Foto: Alberto Biondo

Donnerstag, 1. September 2016

Mach dir keine Sorgen Papa, ich sterbe glücklich, weil ich weiß, dass ihr überlebt habt

In Anbetracht des Todes eines unschuldigen Menschens, kann ich nicht anders, als Leid zu empfinden. Allein der Gedanke, dass eine geliebte Person ohne Schuld und zu Unrecht sein Leben verliert, jagt mir einen Schauder ein. Bei dem Versuch, anderen das Leben zu retten, musste ein Vater die Leiche seiner Tochter im Meer zurücklassen. Diese Nachricht – eine weitere Tragödie und Auswirkung der mörderischen europäischen Politik – erschüttert mich zutiefst.
Was können wir tun, um einem verzweifelten Vater, der Ehefrau und Tochter verloren hat, zu helfen?

Die fünf Leichname erreichen den Hafen von Trapani – Foto von Giorgia Mirto

Dienstag, 16. August 2016

"Halbe Menschen"

Es ist schon 7 Uhr abends, aber die Sonne sticht immer noch. Kein Schatten auf der Autostraße durch die Felder, die vom kleinen Stadtzentrum von Marina di Modica ins Landesinnere führt. 
Vor uns auf seinem Fahrrad, mit einem Rucksack auf den Schultern, radelt S. Er ist schweißgebadet und gezwungen, die Strecke ins Zentrum von Marina di Modica so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.
Zusammen mit anderen 27 Migrant*innen ist er seit kurzem in einem der neuen Aufnahmezentren der Provinz Ragusa untergebracht. Die Kooperative Azione Sociale, die bis vor einem Monat den Hotspot in Pozzallo geführt hat, betreibt dieses neu eröffnete Zentrum sowie eine neue Einrichtung für Migrant*innen in Modica.

Mittwoch, 3. August 2016

Jenes Ex-Hotel in Geraci Siculo …..

Geraci, berühmt durch sein aus der benachbarten Quelle kristallklar sprudelndes Wasser, ist seit 2011 Sitz eines außerordentlichen Aufnahmezentrums (CAS*). Die Besitzer*innen des ehemaligen Hotels „Ventimiglia“, beschlossen während der dramatischen Situation mit den Geflüchteten aus Nordafrika ihren Beruf zu wechseln und so wurden aus den einstigen Hoteliers die Leiter*innen einer Kooperative, die ein außerordentliches Aufnahmezentrum führt. Dies geschah anfangs mit Hilfe des Zivilschutzes, dann in Zusammenarbeit mit der Präfektur. Und obwohl sich die Situation seit 2011 in Hinblick auf Zahl und Bedarfsentwicklung nicht verändert hat, herrscht in Geraci Siculo eine Stimmung des totalen Notstands - weil ein blinder Staat die im Stich lässt, die sich dafür entschieden haben die Aufnahme mitzugestalten.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Von Pozzallo über Ventimiglia nach Mineo: Migrant*innen werden auf italienischem Gebiet festgehalten, abgeschoben und isoliert

Es sind Bilder wie aus einem Polizeistaat, die uns seit einer Woche aus Ventimiglia und Genua erreichen. Prügel, Räumungen, Gedränge, Abschiebungen im Flugzeug und Zwangsidentifizierungen zum Schaden von hunderten Migrant*innen, darunter schwangere Frauen, unbegleitete Minderjährige und Schutzbedürftige. Identifizierungen, Polizeigewahrsam und zugestellte Ausweisungsbescheide auch für zahlreiche Aktivist*innen und solidarische Bürger*innen. Sie sind die sogenannten "Schuldigen", weil sie den auf den Stränden kampierenden Geflüchteten helfen, sie über ihren Rechtsstatus informieren und Solidarität zeigen. An der französischen Grenze wird ein weiteres dunkles Kapitel italienischer Geschichte geschrieben. Denn, ob wir es wollen oder nicht, die Verletzung der Rechte, die Unterdrückung und die Anwendung der freiheitsfeindlichen Politik betrifft uns alle. 

Sonntag, 20. Dezember 2015

Minder erhörte Stimmen

Gestern ereignete sich eine weitere Flüchtlingskatastrophe, die Vielen vor den türkischen Küsten den Tod gebracht hat, als diese den verzweifelten Versuch unternommen hatten, Gewalt und einem sicheren Tod zu entkommen, und in der Hoffnung waren an einen Ort zu gelangen, an dem das Überleben kein tägliches Problem darstellt. Unter ihnen sind einige Kinder, deren Todeszahlen konstant ansteigen und auf die sich die mediale Aufmerksamkeit immer mehr konzentriert. Bilder des Schmerzes und des Kummers, die bloß stillen Respekt und eine ernsthafte Reflektion verdienen, aber anstelle dessen instrumentalisiert werden, um Mitleid anzuregen und erfolgreich Nachrichten zu verkaufen, in Artikeln, die alles bezwecken, außer korrekte Informationen zu liefern.