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| Junge Migrant*innen im CAS Essarasya - San Miceli (TP) |
siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Dienstag, 24. Oktober 2017
Die Schwierigkeiten der Aufnahme in der Gegend von Trapani
In der letzten Zeit sind viele Hilfsanfragen von Personen, die in verschiedenen Zentren auf Sizilien beherbergt werden, eingegangen; im vergangenen Monat aber haben sich die Anfragen besonders auf die Gegend von Trapani konzentriert. Wir denken, dass dies verschiedenen Faktoren geschuldet ist: Vor allem aufgrund einer neuen Ausschreibung zur Betreiberschaft der Zentren, die Fahrt aufgenommen hat, mit Bewerber*innen, die erst seit kurzem in der Landschaft des Aufnahmegeschäfts aufgetaucht sind und Kooperativen, die versucht haben, ihren eigenen Aktionsradius zu erweitern, indem sie mehrere Einrichtungen gleichzeitig verwalten (CAS*, aber auch Zentren für Minderjährige oder SPRAR*).
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Mittwoch, 19. Juli 2017
Das Geschäft mit den Migrant*innen: 143 Tausend Euro am Tag, verwaltet von der Gruppe der Kooperativen
Palermo.repubblica.it – Der Ex-Regionalassessor für Familienangelegenheiten, der Ippocrate di Enna leitet: „Für uns bleiben nur 3€ pro Bewohner*in*.“
Vor dem Tor des ehemaligen Hotels Canguro, zeigen die Bürger*innen von Castell’Umberto mit dem Finger besonders auf sie: Die Kooperativen. „Sie stecken das Geld ein und wir nehmen die Migrant*innen.“ Das ist der Satz, den man hinter vorgehaltener Hand sagt.
Vor dem Tor des ehemaligen Hotels Canguro, zeigen die Bürger*innen von Castell’Umberto mit dem Finger besonders auf sie: Die Kooperativen. „Sie stecken das Geld ein und wir nehmen die Migrant*innen.“ Das ist der Satz, den man hinter vorgehaltener Hand sagt.
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| Migrant*innen, beherbergt im Hotel von Sinatra (lapresse) |
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Donnerstag, 15. Juni 2017
Trapani, im Hotspot das stündlich fünf Migrant*innen aufnimmt und das seit Dezember 2015
Today.it – Italien zählt acht Hotspots. Über diese Einrichtungen kommen zehntausende Migrant*innen von Afrika und dem Mittleren Osten nach Europa. Hier werden ihnen die Fingerabdrücke abgenommen und sie werden identifiziert, bevor sie auf die Aufnahmezentren verteilt werden.
Dienstag, 4. April 2017
Begegnungen und Begehungen in Trapani und Umgebung
Angesichts weiterer Schiffslandungen und der komplexen Situation in der Region haben wir die Lage in Trapani letzte Woche als eher angespannt erlebt. Wir waren dort, um uns einen Eindruck von zwei Aufnahmeeinrichtungen in Marsala zu verschaffen, dem Borgo della Pace und dem ehemaligen Wohlfahrtszentrum Giovanni XXIII.
| Die Vos Prudence im Hafen von Trapani |
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Dienstag, 14. März 2017
Der Brief einer Mutter
Die Grausamkeiten, die der Großteil der Migrant*innen erleiden, die nur ein würdiges Leben suchen, schaffen unauslöschliche Verletzungen. Sie gehen viel tiefer als die körperlichen und sie verschlimmern sich noch durch die Gewalttätigkeiten, die ihnen von dem italienischen Aufnahmesystem zugefügt werden. Ganz viele erzählen uns von den tragischen Erfahrungen in Libyen, in der Wüste, bei der Überfahrt, Momente, in denen viele von ihnen unterwegs jemanden verloren haben. Eine Reise, bei der der Tod immer anwesend ist und die tiefe Spuren in den Seelen dieser Menschen hinterlässt.
| Zeichnung von Francesco Piobicchi |
Mittwoch, 1. Februar 2017
Nicht nur das Meer
Erst vor einer Woche haben wir zwischen guten Absichten und ergreifenden Erinnerungen erneut weltweit den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gefeiert und ihn den Menschen gewidmet, die eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte miterleben mussten. Noch heute sind wir jedoch so kalt und ohne Werte, dass wir uns über die Suizide von Menschen freuen, denen wir bereits alles genommen haben. Leider ist das Leben für viele, die vom System allein gelassen wurden, mehr als hart. Es ist ein System, das allein von wechselnden Politiker*innen der herrschenden Klasse kontrolliert wird und das vielen die letzte Hoffnung auf ein Leben in Würde nimmt. Der einzige Ausweg aus all dem Schmerz ist für viele häufig nur noch der Selbstmord.
Dienstag, 24. Januar 2017
Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Sohn getötet wurde
Viele, zu viele solcher Telefongespräche während des letzten Wochenendes! Zu viele Meldungen von Müttern und Vätern, Schwestern und Brüdern, die auf Nachrichten warten von ihren Angehörigen, die Opfer unseres Abwehrkampfes gegen die Migrant*innen. Ein Kampf, der jeden Tag Opfer fordert: während des Wochenendes vom 13. – 15. Januar 2017 starben auf Grund der europäischen Migrationspolitik mehr als 200 Personen.
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Mittwoch, 30. November 2016
Die auf unbestimmte Zeit verschobene Zukunft. Ein Besuch in einem außerordentlichen Aufnahmezentrum im Umland von Trapani
Beim Betreten des CAS* „Vulpitta“ in Trapani, empfindet man ein gewisses Unbehagen. Denn man muss daran denken, was das CPT* „Vulpitta“ früher war: eine der ersten Haftanstalten für Migrant*innen. Es ist 17 Jahre her, dass dort im Dezember sechs Tunesier in einem Brand, der im Innern ausgebrochen war, starben. Dies nach einem Ausbruchsversuch, gegen den die Ordnungskräfte hart vorgegangen waren. Und dieses CPT war das Modell für viele Situationen, die die Migrant*innen noch heute immer wieder erleben. Das neue CAS hat mit dem ehemaligen CPT (später CIE*) den Namen und die Lage der Unterkünfte gemein, die sich ganz in der Nähe befinden, direkt hinter dem ehemaligen Heim, das geschlossen und zerfallen ist.
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Freitag, 4. November 2016
Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Trapani
Drei Ausschiffungen pro Woche sind auch für Trapani, wo es keinerlei Perspektive für die Ankommenden, sondern nur unüberwindliche Mauern gibt, zu viel. Mehr als 1000 Menschen bei drei Ausschiffungen haben den Mechanismus eines Hotspots*, der im allgemeinen besser als andere funktioniert, auf eine harte Probe gestellt.

Freitag, 28. Oktober 2016
Das außerordentliche Aufnahmezentrum in Poggioreale für Frauen: die Schutzbedürftigkeit, die nicht gewahrt wird
13 Frauen, davon eine mit einem einjährigen Kind.
13 Frauen, über die niemand spricht.
13 Frauen, von denen drei schwanger sind.
13 Frauen, die in Begleitung drei minderjähriger Mädchen sind.
Hier ist die Rede von Frauen, die im einzigen CAS (außerordentlichen Aufnahmezentrum) in der Provinz Trapani untergekommen sind, das seinen Sitz in Poggioreale hat und seit Juli 2014 etwas ruckweise von der Kooperative „Nuovi Orizzonti“ - „neue Horizonte“ - geführt wird. Die Leitung des ehemaligen Altenheimes, von dem nur das Schild bleibt, hat die Tore von Januar bis April 2015 geschlossen, um dann wieder zu eröffnen und die Aktivitäten neu aufzunehmen, allerdings mit den gewohnten Schwierigkeiten, so dass der Vorsitzende uns nun mitgeteilt hat, dass er gezwungen sein wird, erneut zu schließen, wenn nicht die Gelder der Präfektur eingehen.
Momentan sind alle Frauen, die dort sind, Nigerianerinnen, erwachsen und minderjährig, abgesehen von einer Südamerikanerin, die ein besonders verletzlicher Pflegefall ist. Nach der Schließung des anderen Frauenzentrums der Provinz Trapani, das CAS Armonia, wird jenes in Poggioreale, wie es meist mit den isoliertesten Zentren geschieht, als ein Experimentierort genutzt, in dem Erwachsene und Minderjährige einer Nationalität, aus Nigeria eben, aufgenommen werden, aber nicht nur. Einige der Bewohnerinnen haben kleine Kinder oder sind besonders verletzliche Frauen und vor allem Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, Opfer von Menschenhandel zu werden. Es scheint uns, als würde eine solche Praxis gegen jegliche Richtlinie zum Schutz von Minderjährigen und Schutzbedürftige verstoßen!
Diese schwerwiegende Situation, die wir anzeigen, nämlich die Notunterbringung von Minderjährigen in ein CAS für Erwachsene seit Juni 2016, ist das Ergebnis institutioneller Entscheidungen, die das Zentrum wohl oder übel mittragen müsse. Diese Situation ist der x-te Beweis für das Versagen des italienischen Aufnahmesystems. Seit Juni 2016 werden dutzende Mädchen nach Poggioreale verlegt, in ein isoliertes Zentrum, in dem die einzige Ablenkung Zöpfeflechten ist, schön und bunt, aber eben in einem bergigen Gebiet liegende Ortschaft mit kaum 1000 Bewohner*innen mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren, von dem man sich in der Regel freiwillig entfernt, sogar im Rollstuhl. Man flieht vor dem Nichtstun.
Vor einigen Wochen ist tatsächlich ein eritreisches Mädchen mit einem Rollstuhl vom Zentrum in Poggioreale geflohen. Die Schwierigkeiten, auf die sie traf, sind unzählige: sie konnte sich als einzige Eritreerin, die nur die eigene Sprache (Tigrinya) spricht, inmitten lauter Nigerianerinnen mit niemandem verständigen und konnte sich mangels Übersetzer*innen auch nicht verständig machen. Die einzige Art, auf der die Beschäftigten dort mit ihr kommunizieren konnten, war, sie nach Castelvetrano zu bringen und eine Übersetzerin zu treffen, die sich freundlicherweise zur Verfügung stellte.
Es sind Frauen, die die Langeweile und fehlende Papiere teilen, Frauen die ihre Träume weiterhin verfehlt sehen. Einige Frauen sind bereits seit einem Jahr dort und nur fünf von ihnen haben schon die Anhörung bei der Territorialkommission gehabt, um Anerkennung auf internationalen Schutz zu bekommen, während die anderen erst Ende des Monats das C3-Formular zur Asylantragstellung vervollständigen werden. Eine der Bewohnerinnen, die im Dezember 2015 von der Kommission angehört wurde, würde eigentlich immer noch auf eine Antwort warten, und zwar aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen den Kommissionen von Trapani und Palermo, sagt uns die Psychologin des Zentrums.
„Hier für mehr als ein Jahr eine Frau festzuhalten, die eigentlich nicht hier sein will, ist zu kompliziert und das Frustrationslevel ist ungeheuer hoch“, sagt die Psychologin des Zentrums. Wir haben sie gemeinsam mit dem Sozialarbeiter und dem Präsidenten der Kooperative getroffen, der sich über acht Monate Verzug in den Zahlungen seitens der Präfektur beschwert und uns unverblümt mitteilt, dass die CAS mittlerweile die Zahlungsautomaten des Ministeriums geworden sind, weil sie seit Monaten nicht mehr bezahlt werden und die Bewohner*innen trotz der Schwierigkeiten unterhalten müssen.
Es ist ein CAS für Erwachsene, das große Schwierigkeiten hat Minderjährige zu betreuen, wie es einige Angestellte dort beklagen, denn das Zentrum musste Tutor*innen für die Mädchen finden und sah sich vor unvorhergesehene Aktivitäten gestellt. So ist nun auch die Sozialarbeiterin gezwungen, zu verstehen, wie man mit dem Amtsgericht für Minderjährige umgeht. Außerdem haben die Minderjährigen bisher als Schutzbeauftragten den Anwalt der Einrichtung: ein eindeutiger Fall von Inkompatibilität, weiterhin gerechtfertigt durch den Notzustand. Die Alternative dazu war der Bürgermeister, der die Minderjährigen nicht einmal bei einem Arztbesuch begleiten würde. A., eine 17-jährige schwangere Nigerianerin, war zum Beispiel für einen Termin ins Krankenhaus gegangen und der Arzt weigerte sich, sie zu behandeln, weil der Vormund fehlte, der in diesem Fall eben der Bürgermeister selbst gewesen wäre.
Dieses Unbehagen, das täglich im Zentrum gelebt wird, neben den langen Wartezeiten und dem zurückgewiesenen Wunsch, ein frauengerechtes Leben zu führen, verschlimmern nur die Gemütszustände und führen zu Protesten. Der letzte fand vor drei Wochen statt, woraufhin drei Bewohnerinnen das Zentrum verließen und somit ihr Recht auf Aufnahme verloren. Seit das Zentrum wieder eröffnet wurde sind zwölf Aufnahmen der Einrichtung von Poggioreale widerrufen worden. Die einzige Alternative bleibt also, bei einer*m Bekannten unterzukommen oder auf der Straße, was für eine Frau sehr gefährlich ist, vor allem für eine Nigerianerin. Die Situation wird noch dramatischer, wenn die Mädchen das Zentrum verlassen und somit entscheiden, dass die Straße ein besseres Heilmittel gegen die staatliche Ineffizienz ist.
Alberto Biondo
Borderline Sicilia
Aus dem Italienischen übersetzt von Sophia Bäurle
13 Frauen, über die niemand spricht.
13 Frauen, von denen drei schwanger sind.
13 Frauen, die in Begleitung drei minderjähriger Mädchen sind.
Hier ist die Rede von Frauen, die im einzigen CAS (außerordentlichen Aufnahmezentrum) in der Provinz Trapani untergekommen sind, das seinen Sitz in Poggioreale hat und seit Juli 2014 etwas ruckweise von der Kooperative „Nuovi Orizzonti“ - „neue Horizonte“ - geführt wird. Die Leitung des ehemaligen Altenheimes, von dem nur das Schild bleibt, hat die Tore von Januar bis April 2015 geschlossen, um dann wieder zu eröffnen und die Aktivitäten neu aufzunehmen, allerdings mit den gewohnten Schwierigkeiten, so dass der Vorsitzende uns nun mitgeteilt hat, dass er gezwungen sein wird, erneut zu schließen, wenn nicht die Gelder der Präfektur eingehen.
Momentan sind alle Frauen, die dort sind, Nigerianerinnen, erwachsen und minderjährig, abgesehen von einer Südamerikanerin, die ein besonders verletzlicher Pflegefall ist. Nach der Schließung des anderen Frauenzentrums der Provinz Trapani, das CAS Armonia, wird jenes in Poggioreale, wie es meist mit den isoliertesten Zentren geschieht, als ein Experimentierort genutzt, in dem Erwachsene und Minderjährige einer Nationalität, aus Nigeria eben, aufgenommen werden, aber nicht nur. Einige der Bewohnerinnen haben kleine Kinder oder sind besonders verletzliche Frauen und vor allem Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, Opfer von Menschenhandel zu werden. Es scheint uns, als würde eine solche Praxis gegen jegliche Richtlinie zum Schutz von Minderjährigen und Schutzbedürftige verstoßen!
Diese schwerwiegende Situation, die wir anzeigen, nämlich die Notunterbringung von Minderjährigen in ein CAS für Erwachsene seit Juni 2016, ist das Ergebnis institutioneller Entscheidungen, die das Zentrum wohl oder übel mittragen müsse. Diese Situation ist der x-te Beweis für das Versagen des italienischen Aufnahmesystems. Seit Juni 2016 werden dutzende Mädchen nach Poggioreale verlegt, in ein isoliertes Zentrum, in dem die einzige Ablenkung Zöpfeflechten ist, schön und bunt, aber eben in einem bergigen Gebiet liegende Ortschaft mit kaum 1000 Bewohner*innen mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren, von dem man sich in der Regel freiwillig entfernt, sogar im Rollstuhl. Man flieht vor dem Nichtstun.
Vor einigen Wochen ist tatsächlich ein eritreisches Mädchen mit einem Rollstuhl vom Zentrum in Poggioreale geflohen. Die Schwierigkeiten, auf die sie traf, sind unzählige: sie konnte sich als einzige Eritreerin, die nur die eigene Sprache (Tigrinya) spricht, inmitten lauter Nigerianerinnen mit niemandem verständigen und konnte sich mangels Übersetzer*innen auch nicht verständig machen. Die einzige Art, auf der die Beschäftigten dort mit ihr kommunizieren konnten, war, sie nach Castelvetrano zu bringen und eine Übersetzerin zu treffen, die sich freundlicherweise zur Verfügung stellte.
Es sind Frauen, die die Langeweile und fehlende Papiere teilen, Frauen die ihre Träume weiterhin verfehlt sehen. Einige Frauen sind bereits seit einem Jahr dort und nur fünf von ihnen haben schon die Anhörung bei der Territorialkommission gehabt, um Anerkennung auf internationalen Schutz zu bekommen, während die anderen erst Ende des Monats das C3-Formular zur Asylantragstellung vervollständigen werden. Eine der Bewohnerinnen, die im Dezember 2015 von der Kommission angehört wurde, würde eigentlich immer noch auf eine Antwort warten, und zwar aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen den Kommissionen von Trapani und Palermo, sagt uns die Psychologin des Zentrums.
„Hier für mehr als ein Jahr eine Frau festzuhalten, die eigentlich nicht hier sein will, ist zu kompliziert und das Frustrationslevel ist ungeheuer hoch“, sagt die Psychologin des Zentrums. Wir haben sie gemeinsam mit dem Sozialarbeiter und dem Präsidenten der Kooperative getroffen, der sich über acht Monate Verzug in den Zahlungen seitens der Präfektur beschwert und uns unverblümt mitteilt, dass die CAS mittlerweile die Zahlungsautomaten des Ministeriums geworden sind, weil sie seit Monaten nicht mehr bezahlt werden und die Bewohner*innen trotz der Schwierigkeiten unterhalten müssen.
Es ist ein CAS für Erwachsene, das große Schwierigkeiten hat Minderjährige zu betreuen, wie es einige Angestellte dort beklagen, denn das Zentrum musste Tutor*innen für die Mädchen finden und sah sich vor unvorhergesehene Aktivitäten gestellt. So ist nun auch die Sozialarbeiterin gezwungen, zu verstehen, wie man mit dem Amtsgericht für Minderjährige umgeht. Außerdem haben die Minderjährigen bisher als Schutzbeauftragten den Anwalt der Einrichtung: ein eindeutiger Fall von Inkompatibilität, weiterhin gerechtfertigt durch den Notzustand. Die Alternative dazu war der Bürgermeister, der die Minderjährigen nicht einmal bei einem Arztbesuch begleiten würde. A., eine 17-jährige schwangere Nigerianerin, war zum Beispiel für einen Termin ins Krankenhaus gegangen und der Arzt weigerte sich, sie zu behandeln, weil der Vormund fehlte, der in diesem Fall eben der Bürgermeister selbst gewesen wäre.
Dieses Unbehagen, das täglich im Zentrum gelebt wird, neben den langen Wartezeiten und dem zurückgewiesenen Wunsch, ein frauengerechtes Leben zu führen, verschlimmern nur die Gemütszustände und führen zu Protesten. Der letzte fand vor drei Wochen statt, woraufhin drei Bewohnerinnen das Zentrum verließen und somit ihr Recht auf Aufnahme verloren. Seit das Zentrum wieder eröffnet wurde sind zwölf Aufnahmen der Einrichtung von Poggioreale widerrufen worden. Die einzige Alternative bleibt also, bei einer*m Bekannten unterzukommen oder auf der Straße, was für eine Frau sehr gefährlich ist, vor allem für eine Nigerianerin. Die Situation wird noch dramatischer, wenn die Mädchen das Zentrum verlassen und somit entscheiden, dass die Straße ein besseres Heilmittel gegen die staatliche Ineffizienz ist.
Alberto Biondo
Borderline Sicilia
Aus dem Italienischen übersetzt von Sophia Bäurle
Dienstag, 20. September 2016
Vom Meer auf die Felder, Migrant*innen laufen durch unsere Städte
Was haben eine junge Frau aus Ghana, ein Herr mittleren Alters aus Nigeria und ein starker, großer, junger Mann aus dem Senegal gemeinsam? Die Hautfarbe zweifelsohne zuerst, aber auch die Gewalt und die Ausbeutung, unter denen sie alle gelitten haben und die Tatsache, dass sie von unseren Gesetzen getötet wurden.
Unser System hat sich dafür entschieden, die Migrant*innen zu opfern, um sich selbst zu erhalten; Es hat sich entschieden, die zu ächten, die versuchen, aus der Asche, die wir in ihren Herkunftsländern hinterlassen haben, wiederaufzuerstehen; Jungen und Mädchen zu verdammen, die ständig vom Tod begleitet werden, der oft leider die Oberhand gewinnt.![]() |
| Ankunft in Palermo - Foto: Alberto Biondo |
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Montag, 5. September 2016
Neue Landungsverfahrensweisen oder das komplette Durcheinander? Die „verzögerter Landung“ in Messina ist kein Einzelfall
“In
aleis strenua – in pugna invicta”,
„Entschlossen in der Risikobereitschaft, unbesiegbar in den
Kämpfen“ Das ist das Motto der mächtigen Virginio Fasan (F591),
einer Fregatte der Militärmarine, deren unüblicher und verlängerter
Aufenthalt im Hafen von Messina die Neugier der Passanten geweckt hat
und die Zweifel der örtlichen Aktivist*innen
nach sich gezogen hat. Diese Bedenken wurden
in der Pressemitteilung der PRC* von Messina ausgedrückt. Diese
hat wiederum
dazu geführt, dass wir gerade noch rechtzeitig angekommen sind, um
den letzten Akt der Landung mitzuerleben, die die längste und
anstrengendste der letzten Zeit geworden ist. Die letzte Gruppe
Migrant*innen, ca. 150 von insgesamt 1159 Personen, durfte erst gegen
21:00 Uhr am Donnerstag, den
1.
September, das
Schiff
verlassen, also mehr als 48 Stunden nachdem die
Landungsaktion
am späten Nachmittag des Dienstags, den
30.
August, angefangen hatte.
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Donnerstag, 1. September 2016
Mach dir keine Sorgen Papa, ich sterbe glücklich, weil ich weiß, dass ihr überlebt habt
In
Anbetracht des Todes eines unschuldigen Menschens,
kann ich nicht anders, als Leid zu
empfinden.
Allein
der Gedanke, dass eine geliebte Person ohne Schuld und zu Unrecht
sein Leben verliert, jagt mir einen Schauder ein. Bei
dem Versuch, anderen das Leben zu retten, musste ein Vater die Leiche
seiner Tochter im Meer zurücklassen. Diese Nachricht – eine
weitere Tragödie und
Auswirkung
der mörderischen europäischen Politik – erschüttert mich
zutiefst.
Was
können wir tun, um einem verzweifelten Vater, der Ehefrau und
Tochter verloren hat, zu helfen?
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Die
fünf
Leichname erreichen den Hafen von Trapani – Foto von Giorgia
Mirto
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