siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Montag, 23. Januar 2017
Sterben an der Grenze. Kontrollen und Unterdrückung ersetzen Aufnahmen
“Vier Überlebende, ein Boot auf das sich bis zu 193 Personen gedrängt haben”. “Ungenaue Zahlen zu den Vermissten, es müssen Hunderte sein”. “Acht Tote, aber man befürchtet, dass es noch mehr sind”. Mittlerweile spricht man nicht mehr von Toten sondern von jenen, die “nicht überleben”, indem man Berechnungen mit einem Ausschlussverfahren anstellt. Zu erfahren, wie viele Personen weiterhin ihr Leben mitten auf dem Meer verlieren, wird immer schwieriger und sich darüber klar zu werden, wie viele tatsächlich die Opfer unserer Grenzen sind, immer beschämender. Seit Anfang 2017 sind schon 240 Menschen gestorben, während sie den Kanal von Sizilien überquerten und es ist erst Mitte Januar.
Dienstag, 10. Mai 2016
Zahlen, keine Menschen: Die Erstaufnahme von Pozzallo bis Siracusa
2000 gerettete Migrant*innen, 200 Vermisste, 697, die im Hafen von Augusta angekommen sind, 400 die ins Aufnahmezentrum für Asylsuchende von Mineo gebracht wurden sowie 270, die immer noch im Hotspot von Pozzallo festgehalten werden – es sind unzählige Zahlen, die die Zeitungen und Pressemitteilungen seit Jahren füllen, vorbei an der allgemeinen Gleichgültigkeit der Bürger*innen, oft jedoch leider auch an Personen, die vorgeben aktiv zu sein und selbst etwas zu organisieren. Geschickt werden immer wieder Informationen von den Medien ausgelassen. Den Leser*innen wird oftmals weder die Zeit noch die Möglichkeit gegeben, Geschichten und Projekte der Menschen hinter den Zahlen kennenzulernen – Menschen, die nicht in der überwachten Festung Europas geboren und aufgewachsen sind.
Mittwoch, 23. Dezember 2015
In Syrakus werden die Abschiebungen fortgesetzt. In Augusta sind 500 Personen angekommen, und ein Toter.
Die willkürlichen und ungesetzlichen Abschiebungen im Osten Siziliens gehen weiter. Mit großer Sorge und Empörung nehmen wir zur Kenntnis, dass die Quästur von Syrakus in diesen Tagen dreißig Verfügungen der zurückgestellten Abschiebung den Migrant*innen, die am 16. und 19. Dezember in Augusta angelandet sind, zugestellt hat. Nachdem sie in das Zentrum Umberto I in Syrakus verlegt worden sind, haben die Migrant*innen, die bis auf einen Nigerianer alle aus Gambia stammen, jetzt den Ausweisungsbescheid bekommen, mit der Anordnung, das nationale Gebiet innerhalb von sechs Tagen vom Flughafen Fiumicino in Rom aus zu verlassen; und sie sind sofort auf die Straße gesetzt worden. Die Modalitäten sind immer die gleichen: Ankunft, summarische Befragung hinsichtlich der Motive zur Flucht mit Hilfe von Fragebögen und nach kurzer Zeit, Bekanntgabe der Ablehnungsverfügung mit der begleitenden Verpflichtung, das Aufnahmezentrum zu verlassen, ohne irgendeine Information darüber zu bekommen, was eigentlich gerade passiert.
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Den Migranten werden in den zukünftigen Hotspots bereits hunderte von «verzögerten» Abweisungen ausgestellt
«Die Zunahme der «verzögerten» Abschiebungen, respingimento differito*, ist besorgniserregend. Wir betreuen bis
zu 50 Personen pro Tag, die alle mit dem gleichen Dokument in der Hand, bei uns
um Hilfe bitten». Elvira Iovino ist
langjährige freiwillige Mitarbeiterin am Informationsschalter des Centro Astalli in Catania. Sie senkt das
Türgitter vor ihrem Büro und spürt einen Kloss im Hals. Ihre Besorgnis und die
der Anwälte, der humanitären Organisationen und der Zivilgesellschaft in Sizilien,
gilt der enormen Zunahme von sofortigen Abweisungen in den letzten Wochen. Diese
werden den Flüchtlingen unmittelbar nach der Ankunft in Italien ausgehändigt. Betroffen
sind junge Leute, oft Jugendliche, die innerhalb von 7 Tagen das italienische
Territorium verlassen müssen, ohne die nötigen Mittel und ohne, wie vom Gesetz
vorgeschrieben, jeden Fall einzeln zu untersuchen. Damit wird gemäss der
Schutzverbände das gültige Recht missachtet, einen Asylantrag zu stellen. « Das ist eine Missachtung der Menschenrechte, aber auch
eine soziale Zeitbombe. Bis jetzt haben nur die Freiwilligen mit ihren
beschränkten Mitteln versucht, dagegen etwas zu unternehmen. Ganz im Gegensatz
zu den Verbrechern, Menschenhändlern und Uniformierten, für die diese Menschen
ideale Beute sind.»
Montag, 14. September 2015
Im Alter von 12 Jahren das Meer überqueren. Hunderte von Minderjährige haben die Küsten Siziliens erreicht
Die
Zahl der unbegleiteten Minderjährigen die über das Meer nach Sizilien kommen, steigt
deutlich und ständig. Bei fast jeder Anlandung werden Dutzende, wenn nicht
sogar Hunderte von Jugendlichen registriert, die alleine in einem immer
jüngeren Alter die Überfahrt auf sich nehmen, wie z. B. die 154 ägyptischen Minderjährigen,
die am 4. September Augusta erreicht haben.
Während
die Festung Europa weiterhin auf die oberflächliche und gefährliche Klassifizierung
in wirtschaftliche Migranten und potentielle Asylbewerber beharrt, Maßnahmen zur
Identifizierung und anschließenden Abschiebung immer mehr verbessert, fordert
eine Masse an kleinen Menschen jeden Tag den Tod heraus und zeigt uns somit wie
opportunistisch, durchlässig und diskriminierend diese Aufteilungen sind.
Freitag, 15. Mai 2015
Die Wahl der Freiheit kennt keine Grenzen
Vor zwei Tagen hat die europäische Kommission die dringend erwartete neue Agenda ihrer Migrationspolitik bekanntgegeben. Hauptgewicht liegt in der Verstärkung der Frontexmissionen und dem Kampf gegen die Schlepperbanden. Dafür und für verstärkte Kontrollen der Küsten sollen mehr Finanzen zur Verfügung gestellt werden.
Freitag, 29. August 2014
Abschied von den Opfern des letzten Schiffbruchs, im Krankenhaus von Lentini. Überlebende abwesend
Im Kongresssaal des Krankenhauses von Lentini (Provinz Siracusa) fand heute eine interreligiöse Beerdigungsfeier, im Gedenken an die 24 Opfer vom vergangenen 26. August, statt. Die Toten, unter ihnen ein zwei Monate altes Neugeborenes, wurden aus dem Meer geborgen und in den Hafen von Augusta gebracht.
Donnerstag, 21. August 2014
Siracusa macht die Tür den Neuangekommenen auf: Syrer zwischen Umberto I und Città dei Giardini aufgeteilt.
Ich habe mich heute
gegen 9 Uhr morgens nach Siracusa begeben, um zu überprüfen, ob die gestern
Abend im Hafen von Augusta angekommenen 179 syrischen Staatsbürger in das
Aufnahmezentrum für Familien, „Le Zagare“ in Città Giardino oder in das für
Erwachsenen in der Via Gela 80, besser bekannt als „Umberto I“, (der Name
der ehemaligen Schule in Siracusa,) verlegt worden sind.
Sobald ich in Città
Giardino, einem kleinen Vorort von der Gemeinde Melilli, angekommen
bin, wurde es mir klar, dass ich mich in der Nähe des Zentrum
befinde: Ich halte das Auto an, um drei jungen syrischen
Männern, zumindest scheint es mir so, mit ihren Frauen und einem
Kind den Vortritt zu lassen. Nur mit wenig Hab und Gut auf den
Schultern gehen sie unter neugierigen Blicken der anderen Passanten Richtung
Bushaltestelle. Es ist keine unübliche Situation, vor allem nach den Ereignissen
von letzter Woche in Palaspedini in Catania.
Dienstag, 15. April 2014
Toter Migrant in Siracusa, der Fall liegt dem Parlament vor. Befragung Alfano und Lorenzin
Redattore Sociale – Es wird gefordert, den Fall näher zu beleuchten und dringende Initiativen einzuleiten, „um angemessene Gesundheitseinrichtungen zu garantieren und dem Notstand an den sizilianischen Küsten nachzukommen“. Erster Unterzeichner ist Khalid Chaouki, aber es haben bereits viele Vertreter der Gruppe Immigration und Staatsbürgerschaft zugestimmt.
Donnerstag, 6. März 2014
Das Aufnahmezentrum für Asylantragssteller von Mineo: Symbol des Scheiterns
von Elio Tozzi, scienzaepace.unipi.it
Das Aufnahmezentrum für Asylantragssteller von Mineo, in der Provinz Catania (Sizilien) ist Symbol für das katastrophale italienische Aufnahmesystem. Versunken in den Feldern der Ebene von Catania und weit weg von bewohnten Orten liegt die ehemalige Residence degli Aranci (Residenz der Orangenbäume), einst luxuriöse Residenz für die Familien der auf Sigonella (Militärflugplatz der US Navy und der italienischen Luftwaffe) stationierten Soldaten und heute das größte Aufnahmezentrum für Asylantragssteller (CARA) Italiens und Europas. Im März 2011 plötzlich aus den Boden gestampft für die sogenannte „Emergenza Nord Africa“ (Notstand Nordafrika), galt das CARA von Mineo von Anfang an als ganzer Stolz der Aufnahme all'italiana, als Exportmodel für ganz Europa.
Das Aufnahmezentrum für Asylantragssteller von Mineo, in der Provinz Catania (Sizilien) ist Symbol für das katastrophale italienische Aufnahmesystem. Versunken in den Feldern der Ebene von Catania und weit weg von bewohnten Orten liegt die ehemalige Residence degli Aranci (Residenz der Orangenbäume), einst luxuriöse Residenz für die Familien der auf Sigonella (Militärflugplatz der US Navy und der italienischen Luftwaffe) stationierten Soldaten und heute das größte Aufnahmezentrum für Asylantragssteller (CARA) Italiens und Europas. Im März 2011 plötzlich aus den Boden gestampft für die sogenannte „Emergenza Nord Africa“ (Notstand Nordafrika), galt das CARA von Mineo von Anfang an als ganzer Stolz der Aufnahme all'italiana, als Exportmodel für ganz Europa.
Freitag, 9. August 2013
Über den Fall der "MT Salamis" und das Dublin-System
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| Die "MT Salamis". Foto: vesseltracker.com |
Nachdem Malta Anfang dieser Woche die Aufnahme der 102 Flüchtlinge, die sich auf dem Tanker "M/T Salamis" befanden, verweigerte, hatte sich in den vergangenen Tagen Italien, nach mehrtätigen Verhandlungen und auf Druck der EU, dazu bereiterklärt die Flüchtlinge aufzunehmen. Unter ihnen befanden sich auch vier schwangere Frauen und ein fünf Monate altes Baby. Am 7. August erreichte die "Salamis" den Hafen von Syracus auf Sizilien. Dort wurden sie von einer Delegation des Roten Kreuzes erwartet. Der gesundheitliche Zustand der Flüchtlinge war den Umständen entsprechend gut.
Montag, 8. Juli 2013
120 Angelandete in Porto Palo di Capo Passero
120 Migranten wurden gerettet, auf zwei
Motorboote der Finanzpolizei verlegt und am frühen Nachmittag zum
Hafen gebracht. Fast alle Geretteten stammen aus Erirea, einige wenige sind Ägypter.
Unter ihnen befanden sich 35 Frauen (5 von ihnen waren schwanger und,
abgesehen von den Anstrengungen der Reise, in gutem gesundheitlichen
Zustand) und 14 Kinder.
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