siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Mittwoch, 5. Juli 2017

„Als Menschen gehen sie weg, als Schatten ihrer selbst kommen sie an.“ Schiffsbrüche und Rückführungen auf dem Meer. Italien verschließt seine Tore, auch vor denen, denen die Flucht gelingt

Am 12. Juni kam in Catania eine schwedisches Schiff von Frontex mit 356 Migrant*innen und 8 Leichen an Bord an. Die Überlebenden erzählen von Dutzenden Vermissten und vom Bersten eines überfüllten Schlauchbootes, auf dem Menschen äußerst zusammengedrängt waren. Nur wenige Tage später berichtet eine Gruppe sudanesischer Geflüchteter von einem nach zweitägiger Fahrt auseinandergebrochenen Boot, von dem sich anscheinend nur ein Dutzend Personen retten konnten. Andere Geflüchtete geben Augenzeugenberichte von syrischen Frauen und Kindern wieder, die sie in Libyen getroffen hatten: sie waren gerade von der lokalen Küstenwache wieder an den Ausgangspunkt „zurückgebracht“ worden, erzählten sie, als sie weitere kleine Holzboote versinken sahen.


Das Schiff "Diciotti" der Küstenwache im Hafen von Catania

Samstag, 10. Juni 2017

Kontroversen in der europäischen Migrationspolitik – Schutzgewährung versus Grenzsicherung (KideM)

Die Kontroverse in der europäischen Migrationspolitik um das Thema der sogenannten „illegalen Einwanderung“ enthüllt eine grundlegende Krise der europäischen Werte: Schutzsuchende, die vor Verfolgung fliehen, stoßen auf Grenzen, die den Zugang zu den verschiedenen Schutzmaßnahmen systematisch nahezu versperren.


Freitag, 19. Mai 2017

Migrant*innen, Borderline Sicilia: " Die Unterscheidung zwischen vermeintlichen Schleusern und Menschenhändlern"

Agenzia.redattoresociale.it - Ein Bericht der Organisation Borderline Sicilia bringt Tatsachen ans Licht über die Verhaftungen von Migrant*innen, die Boote steuern: "Wir stellen oft fest, dass sich die Ermittler*innen in Personen verbeißen, die weder kriminell und schon gar keine Menschenhändler sind, sondern Opfer wie alle anderen."

Dienstag, 11. April 2017

Neue Zurückweisungen, Festnahmen und Hotspots. Migrant*innen, die Italien nicht schützen will, aber weiterhin ausbeutet



Ungefähr 250 mit einer einzigen Anlandung. Das ist die Zahl der Migrant*innen zumeist marokkanischer Herkunft, die, nach ihrer Ankunft mit dem Schiff Golfo Azzurro in Pozzallo vor gut einer Woche, abgewiesen wurden. Fotokopien von Ausweisungsbescheiden, mit der Auflage, sich innerhalb von 7 Tagen vom italienischen Territorium zu entfernen; Landesgrenze ist der Flughafen Rom Fiumincino. Und wieder einmal wiederholt sich das absurde Drehbuch, mit dem diese ungesetzlichen und verfassungswidrigen Verfahren implementiert wurden, die zurückführen auf die kollektiven Ausweisungen; für diese ist Italien auch vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt worden.


Das Schiff Aquarius im Hafen von Catania

Freitag, 24. März 2017

Bergung oder Rettung? Kriminalisierung der Rettungsaktionen und weitere Tragödien auf dem Meer

Die Nachricht des letzten schrecklichen Schiffsbruchs vor der Küste Libyens ist gerade Mal einige Stunden alt: Laut dem Bericht der NGO Pro-activa Open Arms, die 5 Leichname in der Nähe von zwei leeren Schlauchbooten geborgen hat, sollen ca. 240 Menschen hierbei ihr Leben verloren haben. Am vergangenen 20. März wurden weitere 38 Tote vor der Küste Libyens geborgen. Die Migrant*innen waren an Bord von 2 auf dem Meer treibenden Schlauchbooten, die von der libyschen Küstenwache „gerettet“ wurden. 

Das Schiff Ocean Carrier erreicht Pozzallo

Mittwoch, 1. März 2017

Die neue Seilnetzkonstruktionshalle am Hafen von Palermo

Vergangenen Samstag ist das norwegische Frontex-Schiff "Siem Pilot" in Palermo mit einer Fracht von 1000 Migrant*innen an Bord angelandet. Wir benutzen diesen Begriff, da die Personen tatsächlich wie Ware behandelt wurden. Wir veröffentlichen einen Brief, der an unsere Redaktion von einer ehrenamtlichen Helferin geschickt wurde, die zum ersten Mal am Hafen gewesen ist.

Die Siem Pilot im Hafen von Palermo

Donnerstag, 5. Januar 2017

Unbegleitete Minderjährige in Zeltstädten und Hotspots. Die Fälle von Pozzallo, Augusta, Catania und Messina

2016 endet mit weiteren Ankünften, Toten, Vermissten. 2017 beginnt mit dem Vorschlag für neue Haftzentren und weitere Eingrenzung der Bewegungsfreiheit der Migrant*innen. Die kriminelle Politik der Festung Europa verursacht immer mehr Auseinandersetzungen und aktive Gedenk- und Solidaritätsmaßnahmen. Am 24. Dezember kamen in Pozzallo 111 Migrant*innen an Land, aber die Berichterstattung konzentriert sich nur auf die unmittelbaren Festnahmen der zwei mutmaßlichen Schleuser. Hiermit sind es 200 Festnahmen im Jahr 2016 in der Provinz von Ragusa, Sizilien. 
Der Hotspot von Pozzallo - Foto: Lucia Borghi

Montag, 5. Dezember 2016

Tote, Zurückgewiesene und besonders Schutzbedürftige im Hotspot festgehalten. Die täglichen Tragödien derer, die nach Europa fliehen

Durchschnittlich 4 Ankünfte in der Woche allein an den sizilianischen Häfen, Dutzende von Todesfällen und eine unbekannte Anzahl an Vermissten: Wir sind erst am Anfang des Monats Dezember, doch aus Libyen reisen weiterhin Menschen ab, die immer weniger sicher sein können, Europa lebendig zu erreichen. Am Bord des Schiffes der Militärmarine San Giorgio ist die erste Phase der Ausbildung der libyschen Marine und der Küstenwache zu Ende gegangen, die von den Europäischen Streitkräften im Rahmen der Operation SOPHIA von EUNAVFORMED durchgeführt wurde. Dementgegen werden die humanitären Einsätze verschiedener Schiffe, unter ihnen die Dignity und die Bourbon Argos von Ärzten ohne Grenzen, die Vos Hestia von Save the Children und die Phoenix von MOAS (Migrant Offshore Aid Station), in Kürze zu Ende gehen und erst in einigen Monaten werden sie ihre Rettungsmissionen wieder aufnehmen.

Mittwoch, 30. November 2016

Die auf unbestimmte Zeit verschobene Zukunft. Ein Besuch in einem außerordentlichen Aufnahmezentrum im Umland von Trapani

Beim Betreten des CAS* „Vulpitta“ in Trapani, empfindet man ein gewisses Unbehagen. Denn man muss daran denken, was das CPT* „Vulpitta“ früher war: eine der ersten Haftanstalten für Migrant*innen. Es ist 17 Jahre her, dass dort im Dezember sechs Tunesier in einem Brand, der im Innern ausgebrochen war, starben. Dies nach einem Ausbruchsversuch, gegen den die Ordnungskräfte hart vorgegangen waren. Und dieses CPT war das Modell für viele Situationen, die die Migrant*innen noch heute immer wieder erleben. Das neue CAS hat mit dem ehemaligen CPT (später CIE*) den Namen und die Lage der Unterkünfte gemein, die sich ganz in der Nähe befinden, direkt hinter dem ehemaligen Heim, das geschlossen und zerfallen ist.


Montag, 10. Oktober 2016

Die Erinnerung weniger, das Schweigen vieler. Drei Landungen und 29 Leichen in Pozzallo

Ich bin geflohen, nachdem ich 40 Tage in einer Kaserne in Libyen eingeschlossen war. Ich wurde mit dem Tod bedroht, meiner Dokumente beraubt und mit Gürteln verprügelt. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, die Fähigkeit, den Tag von der Nacht zu unterscheiden. Erst als ich in Italien angekommen war, habe ich wirklich verstanden, wie viel Zeit vergangen war und als ich mich ansah, konnte ich mich selbst kaum wieder erkennen.
Das Schiff des MOAS* „Topaz Responder" in Pozzallo

Freitag, 2. September 2016

Krieg gegen Migrant*innen: Landung in Palermo

Am 31. August 2016 sind 1169 Personen im Hafen von Palermo gelandet. Den vom Schiff Giuseppe Garibaldi der italienischen Marine geretteten Migrant*innen sei eine "militärische" Behandlung zuteil geworden, hätte sich doch ein Mitglied der Besatzung über die "Invasion auf seinem Schiff" beklagt - denn die eigentliche Bestimmung der Garibaldi ist die Verteidigung der Außengrenzen des italienischen Territoriums und die Überwachung der Sicherheit im Lande. Das sagt einiges aus über die Atmosphäre an Bord und über die Einstellung gegenüber den geretteten Migrant*innen.

Das Schiff Garibaldi im Hafen von Palermo – Photo: Alberto Biondo


Mittwoch, 3. August 2016

Jenes Ex-Hotel in Geraci Siculo …..

Geraci, berühmt durch sein aus der benachbarten Quelle kristallklar sprudelndes Wasser, ist seit 2011 Sitz eines außerordentlichen Aufnahmezentrums (CAS*). Die Besitzer*innen des ehemaligen Hotels „Ventimiglia“, beschlossen während der dramatischen Situation mit den Geflüchteten aus Nordafrika ihren Beruf zu wechseln und so wurden aus den einstigen Hoteliers die Leiter*innen einer Kooperative, die ein außerordentliches Aufnahmezentrum führt. Dies geschah anfangs mit Hilfe des Zivilschutzes, dann in Zusammenarbeit mit der Präfektur. Und obwohl sich die Situation seit 2011 in Hinblick auf Zahl und Bedarfsentwicklung nicht verändert hat, herrscht in Geraci Siculo eine Stimmung des totalen Notstands - weil ein blinder Staat die im Stich lässt, die sich dafür entschieden haben die Aufnahme mitzugestalten.

Dienstag, 2. August 2016

Wir sitzen unter'm Holderbusch und machen alle husch, husch, husch

Das ist nicht nur ein beliebter Kinderreim, sondern beschreibt treffend den Zustand der Geflüchteten auf den Rettungsboten. Hier warten sie darauf, am Ankunftshafen identifiziert und mittels Fingerabdrücken erfasst zu werden. Sie sitzen am Boden, so dass diejenige auf sie herabschauen, die über ihr Schicksal entscheiden. 

Sonntag, 31. Juli 2016

Tote: das Meer kann nicht mehr

Die Toten sind dermaßen viele, dass das Meer sie, entlang der libyschen Küsten, wieder ausspuckt. An dem Ort an dem viele aufbrechen, auf der Suche nach einem neuen Leben, das sowohl den Frauen, als auch den Männern jeden Alters bisher vorenthalten wurde. Weitere Tote wurden in den letzten Wochen von den humanitären Schiffen wie Acquarius und Dignity von Ärzte ohne Grenzen geborgen. Die letzten in dieser Chronologie, sind die Leichen von 22 jungen Frauen, in der letzten Woche in Trapani an Land gebracht. Frauen und Minderjährige sind die ersten Opfer der Überfahrt von Libyen nach Italien, denn sie befinden sich im Inneren der Boote.

Freitag, 8. Juli 2016

Viele kommen, wenig Hilfe. Migrant*innen sind unter immer schlimmeren Bedingungen auf sich selbst gestellt

4.500 Menschen wurden innerhalb weniger Stunden gerettet und in die großen sizilianischen Häfen gebracht: Pozzallo, Augusta, Catania, Messina, Porto Empedocle und Palermo. Die Ankunft einer großen Zahl von Migrant*nnen geht paradoxerweise mit einer größeren Unsichtbarkeit der Geflüchteten und geringerer Fürsorge einher. Kommt es zu mehreren Landungen an einem Tag, geschieht es häufig, dass die Mitarbeiter*innen der Nichtregierungsorganisationen sich auf die verschiedenen Häfen aufteilen müssen, damit niemand übersehen wird.