siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Montag, 23. Oktober 2017

Die Europäische Union bestätigt die Entstehung des Hotspots von Messina: Mitteilung des Ufficio Migrantes*

Auf der Seite der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte wird bekannt gegeben, dass am 24. Oktober in Messina in den Räumen des neu eingerichteten Hotspots („newly established hotspot“) ein Workshop zur Europäischen Charta der Grundrechte stattfindet, der sich an zahlreiche Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Institutionen und Organisationen wendet.

Montag, 9. Oktober 2017

Niemand soll es wissen

Beim letzten Gipfeltreffen in Paris haben die Vertreter*innen Frankreichs, Italiens, Deutschlands, Spaniens und der Institutionen der europäischen Union ihr gemeinsames Vorgehen bestätigt. Ihre Strategie sieht die Kooperation mit diktatorischen Staaten vor. Auf diese Art werden sie zu einer Art Geldautomat für die blutrünstigen Milizen, deren Aufgabe es ist, und zunehmend sein wird, die Überfahrten zu verhindern, koste es, was es wolle. Wichtig ist, nichts von dem durchsickern zu lassen, was in Afrika geschieht. Daran haben sich Minniti und die italienische Regierung die Hände schmutzig gemacht. Indiskrete Beobachter*innen wurden beiseite geräumt und so wurden die Boote der humanitären Hilfsorganisationen als unerwünschte Zeug*innen aus dem Mittelmeer entfernt.

Abgewiesene Asylsuchende aus Tunesien am Bahnhof in Palermo

Samstag, 20. Mai 2017

Ein Meer der Straffreiheit

Am 8. Mai informieren einige Migrant*innen bei ihrer Ankunft in Pozzallo die Behörden, dass mindestens 40 ihrer Mitreisenden auf dem Schlauchboot ertrunken seien.

An den folgenden Tagen wird die Zahl der vermuteten Opfer der zwei Schiffskatastrophen vor der Küste Libyens auf 230 steigen. Am Montag, den 15. Mai erreicht die "Diciotti" der italienischen Küstenwache Trapani mit 484 Migrant*innen und 7 Leichen an Bord.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilt mit: seit Beginn dieses Jahres wurden mehr als 43.000 Migrant*innen im Meer gerettet und bei 1150 liegt die Zahl der Toten und Ertrunkenen, die die europäische Küste nicht erreichen konnten. Diese Zahlen erwecken die Vorstellung von ganzen Ländern, die verschwinden, eine schleichende stumme Katastrophe, über die viele lieber schweigen als die Verantwortlichen dafür zu benennen.

Samstag, 6. Mai 2017

Ich fange an, Angst um meine Kinder zu haben

Das Minniti-Orlando Dekret, das inzwischen in ein Gesetz umgewandelt wurde, wird in diesen Tagen schon in die Tat umgesetzt. Die Folgen sind: im ganzen Land organisierte Rasterfahndungen, von den Polizeipräsidien durchgeführte Zurückweisungen und Verschleppungen zu den Hotspots. Es sind faschistische Methoden, obwohl die Unterschriften unter dem Gesetz von zwei Politikern stammen, die theoretisch den Faschismus bekämpfen sollten. Die Aktionen dieser Regierung ernähren tagtäglich den Fremdenhass und produzieren Gewalttaten, die sich gegen Migrant*innen richten und deren Anzahl konstant steigt. Parallel dazu steigen auch übertriebene Sicherheitsmaßnahmen, die diese Regierung mit Wohlwollen betrachtet.

Lampedusa: 40 Nigerianer*innen steigen in ein Flugzeug der Gesellschaft  Meridiana ein und werden in ihre Heimat zurückgeschickt


Freitag, 14. April 2017

Angriff gegen NGOs : Warum gerade jetzt?

Eine Woche ist nun die Pressekonferenz her, die an Bord des Aquarius, dem Schiff des S.O.S. Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen gehalten wurde. Nun legt das Schiff wieder im Hafen von Catania an. Trotz der lauten Kritik haben die NGOs nicht davon abgelassen, das Mittelmeer nach Migrant*innen abzusuchen und sie zu bergen. Sie haben nun schon mehr als hundert Menschen vor dem sicheren Tod gerettet. Damit haben die NGOs unter Beweis gestellt, dass die Seenotrettung heute wichtiger denn je ist. 

Das Schiff Aquarius in Catania


Mittwoch, 1. März 2017

Die neue Seilnetzkonstruktionshalle am Hafen von Palermo

Vergangenen Samstag ist das norwegische Frontex-Schiff "Siem Pilot" in Palermo mit einer Fracht von 1000 Migrant*innen an Bord angelandet. Wir benutzen diesen Begriff, da die Personen tatsächlich wie Ware behandelt wurden. Wir veröffentlichen einen Brief, der an unsere Redaktion von einer ehrenamtlichen Helferin geschickt wurde, die zum ersten Mal am Hafen gewesen ist.

Die Siem Pilot im Hafen von Palermo

Dienstag, 6. Dezember 2016

Erzwungener Halt: die Zeit in Agrigento vergeht nicht

Wir haben einen Tag mit den Migrant*innen verbracht, die sich im Villaggio Mosè in Agrigento befinden, und dabei Jugendliche und Betreiber der Einrichtung getroffen. Wir sind Dynamiken und Praktiken begegnet, die uns wohl bekannt sind, weil das System sie gefestigt und in vielen Fällen derart gestaltet hat, dass sie einem menschenwürdigen Leben nicht angemessen sind. Unser Besuch nimmt seinen Anfang im außerordentlichen Aufnahmezentrum (CAS) La mano di Francesco, das sich auf der Viale Cannatello befindet, der Straße, die von Villaggio Mosè zum Strand führt. Also in einer Gegend, in der, abgesehen von ein paar Geschäften und einem Supermarkt, gar nichts ist. 

Freitag, 4. November 2016

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Palermo

In den letzten Tagen haben wir die Erklärungen des Bürgermeisters von Gorino und über die Proteste seiner Mitbürger*innen gelesen. Viele von uns haben jene Fälle verurteilt. Ohne Zweifel haben Rassismus und Unwissenheit Ungeheuer für die Titelseiten geschaffen, aber es ist zu leicht „auf das Rote Kreuz zu feuern.“ Kein Medium hat die Fehler der Präfektur und der anderen übergeordneten Institutionen hervorgehoben, die es nicht geschafft haben einen Aufnahmeplan zu strukturieren. Es gibt kein Interaktionsprojekt zwischen den Neuankömmlingen und der lokalen Gemeinschaft. Man hat sicher erst in der Notsituation geregt, um den hundertsten sozialen Konflikt zu entfachen: eine Methode um das wahre Gesicht der Migrationspolitik zu verbergen und weiterhin Opfer zu fordern. 

Freitag, 30. September 2016

Migrant*innen – sie haben einen Namen, die "Desaparecidos des Mittelmeers"

Quelle: Redattoresociale.it
"Mediterranean Missing" heißt das gemeinsame Projekt der Universität von York, der City Universität von London und der IOM, der Internationalen Organisation für Migration. "Meditterranean Missing" erforscht die erprobten Methoden und Problemen bei der Identifikation der Toten und Vermissten im Mittelmeer. Seit Beginn dieses Jahres sind es schon 3600. "Eine weitgehend unsichtbare und von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommene humanitäre Katastrophe".


Ph. Redattore Sociale

Freitag, 2. September 2016

Wer stirbt, wer ankommt und wer bleibt. Der Hotspot in Pozzallo platzt aus allen Nähten

„Was die Menschen in Europa nicht verstehen, ist, dass es für einen Geflüchteten, der in Libyen ankommt, weniger gefährlich ist, die Flucht über das Mittelmeer zu wagen, als zurück in sein Ursprungsland zurück zu gehen,“ sagt A., ein junger Mann aus dem Senegal, der vor zwei Jahren nach Italien gekommen ist. Wie viele andere Senegalesen verfolgt er die Rettungsmanöver im Mittelmeer von seinem Fernseher aus. Dies tut er mit gemischten Gefühlen: Einerseits empfindet er eine vorübergehende Erleichterung, andererseits kommt in ihm Wut und Ohnmacht auf. „Wer noch nie in Libyen war, kann sich nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist, dort um sein Überleben zu kämpfen. So wie jeder hier in Europa ein Handy mit sich trägt, trägt jeder Libyer jeglichen Alters eine Waffe mit sich – stets griffbereit. Aber das will hier in Italien niemand hören,“ erzählt er weiter.

Die Handelsflotte Jaguar St. John’s im Hafen von Pozzallo - Ph. Lucia Borghi

Freitag, 8. Juli 2016

Viele kommen, wenig Hilfe. Migrant*innen sind unter immer schlimmeren Bedingungen auf sich selbst gestellt

4.500 Menschen wurden innerhalb weniger Stunden gerettet und in die großen sizilianischen Häfen gebracht: Pozzallo, Augusta, Catania, Messina, Porto Empedocle und Palermo. Die Ankunft einer großen Zahl von Migrant*nnen geht paradoxerweise mit einer größeren Unsichtbarkeit der Geflüchteten und geringerer Fürsorge einher. Kommt es zu mehreren Landungen an einem Tag, geschieht es häufig, dass die Mitarbeiter*innen der Nichtregierungsorganisationen sich auf die verschiedenen Häfen aufteilen müssen, damit niemand übersehen wird.