siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Freitag, 16. September 2016

EIN PARTISAN ERZÄHLTE MIR… Crowdfunding für das neue Buch von Gabriele del Grande

Liebe "Produzent*innen „dal basso“, von unten"*  von «Io sto con la sposa» - »An der Seite der Braut»,

Ich, Gabriele del Grande, wende mich von neuem an euch. Vor zwei Jahren haben wir zusammen dieses kulturelle und politische Abenteuer möglich gemacht, das unsere eigene Geschichte und die Erfahrung von Hunderttausenden von Zuschauer*innen in 53 Ländern geprägt hat.  
Wer mich kennt, der weiß, wie viele Male ich seither in Erwägung gezogen habe, mich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, denn die Anstrengung ist groß, immer wieder bei null zu beginnen.
Die Attentate in Europa ließen mich meine Meinung ändern. Weil ich Bescheid wusste.

Dienstag, 28. Juni 2016

Waffen exportieren, "Flüchtlinge importieren" - Yemen und Italien

Terrelibere.org

In Lampedusa sind Geflüchtete aus dem Yemen eingetroffen. Italien exportiert Waffen nach Saudi-Arabien, welches Yemen bombardiert. So schliesst sich der "Teufelskreis aus Waffenexport und Flüchtlingsimport". In Kneipenargumenten sowie in den Behauptungen der Politiker heisst es aber immer noch, wir könnten uns nicht die Probleme anderer aufladen. So, wie wenn wir damit nichts zu tun hätten!

                                                       Foto Terrelibere.org

Anfang Mai wurde in Lampedusa zum x-ten Mal gegen die Abnahme von Fingerabdrücken protestiert. Geflüchtete aus vielen verschiedenen Nationen lehnten diese Massnahme ab, die sie in Italien festgehalten hätte. Das geschieht seit Jahren, denn wir sind kein begehrtes Zielland.

Aber dieses Mal war etwas anders. Unter den Migrant*innen, die nicht in Italien bleiben wollten, waren einige Geflüchtete aus dem Yemen. Davon stand nichts in den Zeitungen, und auch nichts über den vergessenen Krieg in Yemen.
Bedauerlicherweise sind wir aber an diesem Konflikt beteiligt, und zwar direkt. Letzten Januar hat la Rete Disarmo, das Abrüstungsnetzwerk, bei mehreren Staatsanwaltschaften Italiens eine Beschwerde eingereicht, die verlangt, dass die Waffenlieferungen von Italien an Saudi-Arabien untersucht werden.
Von Flugplätzen auf Sardinien aus wurden innerhalb weniger Monate 6 Ladungen mit Bomben nach Saudi-Arabien geliefert, um deren Luftwaffe zu versorgen.

Tecnicamente, si tratta della violazione dell’articolo 1 della legge 185/90 che vieta l’esportazione di armamenti verso paesi in stato di conflitto armato. L’Arabia Saudita, infatti, è alla guida di una coalizione che sta bombardando lo Yemen, colpendo in particolare scuole e obiettivi “illegali”.
Das ist eine Zuwiderhandlung gegen Artikel 1 des Gesetzes 185/90, der den Waffenexport an Staaten verbeitet, die sich in bewaffneten Konflikten befinden, verbietet. Und Saudi-Arabien ist an der Spitze einer Koalition, die den Yemen unter Beschuss hält, und dort vor allem Schulen und andere in ihrer Argumentation "illegitime" Institutionen angreift.
Matteo Renzi hat mit Ryad eine umfangreiche Partnerschaft unterzeichnet: sie beinhaltet sowohl den Bau einer Untergrundbahn, verspricht aber auch Waffenlieferungen.
Die italienische Politik hat den Teufelskreis somit geschlossen: Kriegsmittel werden exportiert – Flüchtlinge werden importiert, die im übrigen vorziehen zu protestieren, um nicht hier bleiben zu müssen. Die "Kneipenlogik" laut derer "wir ihnen zu Hause helfen müssen" wird somit als Lüge entlarvt.

Übersetzt aus dem Italienischen von Susanne Privtera Tassé Tagne


Samstag, 29. November 2014

Weiterhin kommen hunderte von Migranten an. Sie erzählen von den vielen, die die Reise nicht beenden. Wie lange wird man noch von einem Ausnahmezustand sprechen?


Wir haben Ende November und allein in den letzten fünf Tagen sind rund 1000 Migranten an den Küsten Ostsiziliens angekommen. Hauptanlandungsplätze sind die Häfen von Augusta und Pozzallo. „Ich wollte nicht weg, aber ich konnte nicht bleiben“, sagt mir M., dem ich in der Zeltstadt im Hafen von Augusta begegne. Gerade ist er zusammen mit weiteren 318 Personen angekommen. „Auf jeden Fall halte ich mich für einen glücklichen Menschen: Erst vor ein paar Tagen habe ich von einigen Flüchtlingen wie mir gehört, die vor Ankunft der Rettung im Meer verschwunden sind.“

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Unser 3. Oktober. Ein Jahr nach dem Massaker von Lampedusa. Nicht ein Tag des Gedenkens, sondern der Mobilisierung

Der Jahrestag des 3. Oktober, als 368 Frauen, Männer und Kinder ihr Leben aufgrund eines Schiffbruchs verloren, findet in einer Welt statt, die von einer großen Anzahl asymmetrischer und unbekannter Konflikte geprägt wird, welche seit Jahrzehnten den Planeten kennzeichnen. Von Guantanamo zu den Halsaufschlitzern im Iraq, über zehntausende Tote in der Ukraine, in Gaza und Syrien, den erneuten Bürgerkrieg in Libyen und den verbrecherischen blutigen Diktaturen am Horn von Afrika. Die selbe Kultur des Hasses und des wirtschaftlichen Kalküls, in dem der Mensch und seine Wünsche nie an erster Stelle stehen, materialisiert sich in einem Horizont aus Zerstörung und Krieg, der in seiner Intensität und der globalen Modalitäten wahrscheinlich ohne Vorgänger ist.