siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Freitag, 1. Dezember 2017

Entscheidungen und aufgezwungene Prioritäten, die die Risiken nicht berücksichtigen

Am Montag, den 27. November 2017 erreicht das Schiff Aquarius den Hafen von Catania, mit 421 Menschen, hauptsächlich Eritreer*innen, an Bord. Unter den Geretteten sind auch 5 Männer, die aus Ägypten, Bangladesch, Äthiopien, Pakistan und Süd-Sudan stammen. Sehr hoch ist die Prozentzahl der Frauen - ca. 40% - unter ihnen sieben Schwangere, und der Minderjährigen – insgesamt 98 – darunter 60 unbegleitete. Während der Anlandung mussten 3 Migrant*innen ins Krankenhaus eingeliefert werden, unter ihnen eine im neunten Monat schwangere Frau, deren Fruchtwasser geplatzt war. 



Mittwoch, 5. Juli 2017

Die Kriminalisierung der Unterstützer*innen für Migrant*innen seitens derer, die in Wirklichkeit für Tod und Gewalt verantwortlich sind

Vor kurzem wurde der Internationale Tag des Geflüchteten mit viel Heuchelei und großen Widersprüchen begangen. Einige begnügten sich mit der Veranstaltung eines Fußballmatchs oder eines Festes auf der Piazza. Andere öffneten sogar ihr Aufnahmezentrum, damit die Bürger*innen es wie einen Zoo besichtigen konnten. Die Politiker*innen hatten so Gelegenheit, einen großartigen Auftritt hinzulegen und wortreich für das Schicksal der Migrant*innen einzutreten. Aber es gab auch einige, die ungestört ein Mal mehr Unwahrheiten im Fernsehen sagen und die öffentliche Meinung zu hasserfülltem Rassismus anstacheln konnten.

Hafen von Palermo, 19. Juni, Ankunft des Schiffs Diciotti - Migrant*innen stehen Schlange unter der Sonne, sie warten auf ihre Erstidentifizierung

Samstag, 3. Juni 2017

Wir verteidigen die 7 mächtigen Bestimmer und töten unzählige Unschuldige

Am Sonntag, den 28. Mai 2017 wurde im Anschluss an das Anlegen des italienischen Schleppers Vos Thalassa „Der Tod und die Verzweiflung“ gegeben. Auf dem Schlepper befanden sich 1040 Personen, Männer, Frauen und Kinder, zusammengepfercht wie Tiere. Die geretteten Migrant*innen blieben vier Tage auf dem Schiff. Ihnen stand nur eine einzige sanitäre Einrichtung zur Verfügung. Ausreichend Nahrung gab es nicht. Durchnässt schliefen sie im Freien. Sie reisten Seite an Seite mit 7 geborgenen Leichen, da das Schiff nicht für die Bergung von Toten auf dem Meer ausgerüstet ist.

Samstag, 20. Mai 2017

Ein Meer der Straffreiheit

Am 8. Mai informieren einige Migrant*innen bei ihrer Ankunft in Pozzallo die Behörden, dass mindestens 40 ihrer Mitreisenden auf dem Schlauchboot ertrunken seien.

An den folgenden Tagen wird die Zahl der vermuteten Opfer der zwei Schiffskatastrophen vor der Küste Libyens auf 230 steigen. Am Montag, den 15. Mai erreicht die "Diciotti" der italienischen Küstenwache Trapani mit 484 Migrant*innen und 7 Leichen an Bord.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilt mit: seit Beginn dieses Jahres wurden mehr als 43.000 Migrant*innen im Meer gerettet und bei 1150 liegt die Zahl der Toten und Ertrunkenen, die die europäische Küste nicht erreichen konnten. Diese Zahlen erwecken die Vorstellung von ganzen Ländern, die verschwinden, eine schleichende stumme Katastrophe, über die viele lieber schweigen als die Verantwortlichen dafür zu benennen.

Samstag, 6. Mai 2017

Die Ankunft der „Vos Prudence“ in Catania

Gestern morgen brachte das Schiff Vos Prudence von Ärzte ohne Grenzen im Hafen von Catania die leblosen Körper von weiteren sechs an den Grenzen Europas Getöteten an Land. Fünf davon sind junge Frauen, deren Körper aller Wahrscheinlichkeit nach ungefähr eine Woche im Meer getrieben sind und in internationalen Gewässern, d.h. 42 bis 20 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt, aufgesammelt wurden; bei dem sechsten Toten handelt es sich um einen Mann, die Leiche war von der Vos Hestia, einem Schiff der Organisation Save the Children übergeben worden.

Das Schiff Vos Prudence am Hafen von Catania

Dienstag, 4. April 2017

Begegnungen und Begehungen in Trapani und Umgebung

Angesichts weiterer Schiffslandungen und der komplexen Situation in der Region haben wir die Lage in Trapani letzte Woche als eher angespannt erlebt. Wir waren dort, um uns einen Eindruck von zwei Aufnahmeeinrichtungen in Marsala zu verschaffen, dem Borgo della Pace und dem ehemaligen Wohlfahrtszentrum Giovanni XXIII.
Die Vos Prudence im Hafen von Trapani

Montag, 3. April 2017

Die Anlandung in Messina am 22. März und das Aufnahmezentrum für unbegleitete Minderjährige Amal (ehem. Hotel Liberty)

Am 22. März begleiteten wir eine weitere Anlandung im Hafen von Messina, mit der sich die Zahl der in dieser Stadt ankommenden Migrant*innen seit Beginn dieses Jahres auf 1269 erhöht hat. Vom Schiff Canarias der spanischen Militärmarine, das Teil der Operation EUNAVFOR-MED* ist, sind 636 Personen von Bord gegangen, darunter Frauen und Kinder. Die ersten Schritte zur Voridentifikation und anschließendem Transfer in die ehemalige Kaserne in Bisconte wurden von der Quästur um 18 Uhr abgebrochen. So mussten 200 Personen an Bord bleiben, wo sie die Nacht im Freien, auf der Brücke und nur mit Thermofolien bedeckt, verbringen mussten.
Das Schiff Canarias im Hafen von Messina

Mittwoch, 1. März 2017

Die neue Seilnetzkonstruktionshalle am Hafen von Palermo

Vergangenen Samstag ist das norwegische Frontex-Schiff "Siem Pilot" in Palermo mit einer Fracht von 1000 Migrant*innen an Bord angelandet. Wir benutzen diesen Begriff, da die Personen tatsächlich wie Ware behandelt wurden. Wir veröffentlichen einen Brief, der an unsere Redaktion von einer ehrenamtlichen Helferin geschickt wurde, die zum ersten Mal am Hafen gewesen ist.

Die Siem Pilot im Hafen von Palermo

Samstag, 24. Dezember 2016

Auch der Abfall landet in schwarzen Säcken

Am Freitag, den 16. Dezember, sind wir zum Hafen von Palermo gefahren, um die 388 Migrant*innen willkommen zu heißen, die über den Tod gesiegt hatten und an Bord des spanischen Militärschiffes Navarra angekommen waren. Zusammen mit den Überlebenden ist auch ein Leichnam angekommen. Den Mitarbeiter*innen der Ämter und Hilfsorganisationen, die sich am Hafen befanden, um die Landungsoperationen zu begleiten, wussten nicht von dem Leichnam, bis zur Ankunft des Schiffs in Palermo.  Wahrscheinlich ist dieser Mensch, der in einem schwarzen Sack an Land gebracht wurde und von dem immer am Hafen anwesenden Comboni-Missionar gesegnet wurde, erst nach der Rettung im Meer auf dem Weg nach Palermo verstorben. Er litt an Diabetes und hat es nicht geschafft, unter psychophysischem Stress und den unmenschlichen Bedingungen den ungleichen Kampf zu gewinnen. Der Tod hat wieder einmal mit Hilfe der Europäischen Migrationspolitiken gewonnen. 


Donnerstag, 8. September 2016

Falsches Gold: nächtliche Ankunft in Palermo und im Regen stehen gelassene Geflüchtete

Die vor kurzem statt gefundene Ankunft von 1003 Geflüchteten in Palermo war ursprünglich für Dienstag, den 6. September um 14 Uhr geplant gewesen, wurde in der Nacht vom Montag jedoch auf Dienstag 20 Uhr verschoben. Um diese Zeit hatte das Schiff Diciotti der Küstenwache bereits angelegt und eine Vielzahl neuer geflüchteter Menschen wartete bereits auf der Brücke. Sowohl Essen, als auch Kleidung und Schuhe wurden erst mit Verzögerung geliefert. Für gewöhnlich liefern private Firmen die Hilfsgüter, die dann von Freiwilligen verteilt werden. Um kurz vor 21 Uhr konnten die Geflüchteten dann von Board gehen. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Ländern, darunter Bangladesch, Benin, Gambia, Elfenbeinküste, Nigeria und der Senegal.

Donnerstag, 14. April 2016

„The hotspot does not affect our work“. Der Hotspot beeinträchtigt unsere Arbeit nicht

898 Personen erreichen Palermo mit dem norwegischen Schiff SIEM PILOT, das als Ausrüstung im FRONTEX Programm eingesetzt wird. Das Schiff legt gegen 18 Uhr an, doch es braucht mehr als eine Stunde, bis das Ausladen beginnt. Es stehen lange Tische der Mitarbeiter*innen von FRONTEX und der Polizei bereit und die üblichen Zelte für die Erstbehandlung (vom Roten Kreuz und der regionalen Gesundheitsbehörde) und die Caritas, die zusammen mit einer Firma aus dem Osten Siziliens zuständig für die Verteilung von Kleidung, Schlappen und Essen ist.

Donnerstag, 31. März 2016

Die Kunst der Improvisation: Ostermontag und die jüngsten Landungen in Palermo

„Undankbare Migrant*innen, die sich gegen unsere Traditionen stellen, haben den Feiertag ausgenutzt, um zu protestieren: ein unsinniger Protest, angesichts dessen, dass wir immer weiter alles für sie tun, ihnen das Geld geben, das eigentlich für unsere Kinder und Alten da ist“. Das ist die Meinung einer der vielen Personen, wie wir am Dienstagvormittag in Palermo auf der Straße getroffen haben, um über die Ereignisse am vergangenen Montag im Erstaufnahmezentrum Via Monfenera zu diskutieren.

Freitag, 10. Juli 2015

4 Boote in Seenot: in der Strasse von Sizilien wurden 393 Migranten gerettet – mindestens 12 haben ihr Leben verloren

meridionews.it  Bei der Ankunft des Schiffes “Dattilo” der Küstenwache am Unfallort, war eines der verunglückten Boote schon halb gesunken. 106 Passagiere konnten gerettet werden. In einer weiteren Rettungsoperation konnten ebenso viele Passagiere von Patrouillenbooten aus Lampedusa in Sicherheit gebracht werden. Weitere drei Boote haben um Rettung gebeten.

Sonntag, 21. Juni 2015

Was wir sehen müssen

taz.de Auf ihrer Überfahrt in die EU sterben 17 Menschen. Tage später liegen sie in Müllsäcken im Kühlschrank einer sizilianischen Klinik.
Anfang Juni reiste ein Mitarbeiter des Zentrums für politische Schönheit nach Sizilien. Der Student wollte Recherchen anstellen für die nächste Aktion der Künstler. Ein Bestatter führte ihn in die Leichenkammer des kommunalen Muscatello-Krankenhauses von Augusta, erzählt er. Der Mann wollte, dass er begreift, wie dramatisch die Lage an der Südflanke Europas ist.

Sonntag, 14. Juni 2015

Migranten: Catania, die Ankünfte, die Personen und die Nummern

Von Valeria Brigida  - IlFattoQuotidiano 
Die junge Frau merkt nicht, dass ihr Baby, das sie auf dem Arm hält, ein Schühchen verliert, als sie auf dem Weg ist vom Schiff Bulwark zum Pavillon zu laufen, wo die Identifizierungen verteilt werden. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes hebt das Schühchen auf, folgt der Frau und gibt ihr das Schühchen zurück. Sie lächelt ihn an. Und gerade in dem Moment, wo sie ihren Arm ausstreckt, um das Schühchen anzunehmen, sehe ich auf ihrem Handrücken eine Zahl: die 55. Ich beobachte die Reihe Menschen, die schweigsam aus dem Inneren des Schiffes Bulwark heraustreten. Vor der Nummer 55 geht ein Mädchen, das auf dem Handrücken die Nummer 54 hat und hinter ihr ein weiteres Mädchen, eine weitere Hand: die Nummer 57. 

Montag, 8. Juni 2015

1100 Migranten landen in Catania, wo werden sie aufgenommen?

Das von Bord gehen ist immer noch in Gang. Es ist die grösste Anlandungsoperation von Flüchtlingen in unserer Stadt: von über 1100 Migranten sind 47 minderjährig, 117 Frauen, 9 von ihnen sind schwanger. Die Geflohenen kommen aus Syrien, Ghana, Somalia und dem Kongo. Die Migranten wurden vom Schiff HMS Bulwark der britischen Royal Navy von 7 Schlauchbooten im Kanal von Sizilien gerettet. Auch dieses Mal, wie in den zwei vorangehenden Anlandungen, wird von den Migranten beim Verlassen des Landungsstegs ein Erkennungsfoto gemacht. Dann müssen sie in einer Warteschlange auf die Registrierung ihrer Fingerabdrücke durch die forensische Abteilung der Polizei warten. Letztere Massnahme wird bei den Landungen in Palermo nicht angewandt. Obwohl Vertreter der IOM – der internationalen Organisation für Migration, des UNHCR – des UNO Hochkommissariats für Flüchtlinge und Vertreter der Organisation “Save the Children” vor Ort dabei waren, haben wir festgestellt, dass die Migranten nicht genügend informiert wurden über die gesetzlichen folgenschweren Auswirkungen der Registrierung ihrer Fingerabdrücke. 

Samstag, 6. Juni 2015

Ankunft von Migranten in Pozzallo, 2 Schleuser festgenommen

repubblica.it - Auf dem Boot nur 11 Geflohene aus Tunesien, auf dem Schlauchboot hingegen 116 Zentral-Afrikaner. Die Boote hätten auf einer Insel bei Trapani anlanden sollen, aber die Schleuser hatten den falschen Kurs eingeschlagen.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Die Körper auf dem Meeresgrund haben keinen Marktwert

Die letzte Schade des Einwanderungssystems, das von der Festung Europa auf die Beine gestellt wurde, ist die Behandlung, die den Opfern der Europäischen Staaten zu Teil wird. Die 900 Körper werden nicht geborgen werden, nach Aussage des Staatsanwaltes Salvi, weil man die zu hohen Spesen für die Bergung nicht finanzieren kann, und er gibt den Schwarzen Peter an die Regierung weiter, die mit der üblichen Hypokrisie meint (Worte des Premierministers Renzi), dass „man alles versuchen wird um die Körper von unseren Brüdern und Schwestern zu bergen“. Erst bringen wir sie um und dann lassen wir ihre Körper am Meeresgrund vergammeln. Dabei löschen wir jede Spur des Fehlverhaltens, überzeugt davon, dass auch die Erinnerung an die vielen Unschuldigen, die auf unseren Seelen lasten, damit ausgelöscht  werden kann.

Mittwoch, 20. August 2014

Augusta, langwierige Anlandung zwischen den Lichtern des Hafen

Das Schiff „San Giusto“ der italienische Marine, welches oft in Rettungsoperationen im Rahmen von Mare Nostrum involviert ist, thront im Hafen von Augusta. Dieses Mal wird die Anlandung aber nicht durch die Marine koordiniert, sondern von der Küstenwache, die das Umschiffen von 179 Migranten organisieren muss, die in den letzten Stunden in internationalen Gewässern von einem Containerschiff unter englischer Flagge gerettet worden sind.

Montag, 11. August 2014

Zweitausend Migranten in 48 Stunden gerettet, zwei Schlepper in Pozzallo festgenommen

Repubblica.it – Während der Exodus in der Straße von Sizilien mit weiteren 2.000 Migranten in den letzten 48 Stunden weitergeht, hat die Polizei von Ragusa zwei Schlepper des gestrigen Anlandung mit 166 Migranten in Pozzallo festgenommen. Unter den Migranten, Syrer und Ägypter, waren viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die zwei Schlepper, beide 21 Jahre alt, sind im Gefängnis: Vor der Fahrt haben sie mehr als eine Woche gewartet mit der Intention das Boot so voll wie möglich mit Menschen zu beladen.