siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Mittwoch, 8. November 2017

Borderline Sicilia an Bord der Sea Watch 3: der Eingriff der libyschen Küstenwache verursacht Tote und Zurückgewiesene

Pressemitteilung – Gerade eben wurde die Anlandung im Hafen von Pozzallo abgeschlossen, wo heute Mittag gegen 12 Uhr die Sea Watch 3 angelegt hat. An Land erwarteten sie sowohl die Polizei und Carabinieri*, Frontex-Beamt*innen und EASO*, als auch Mitarbeiter*innen der verschiedenen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die in Sizilien tätig sind. Ebenfalls waren Mitarbeiter*innen und Anwält*innen von Borderline Sicilia anwesend.
Die Sea Watch 3 legt in Pozzalo an - Foto: Viola Gastaldi

Freitag, 4. August 2017

Nach der Ankunft bleiben die Menschenrechte auf der Strecke. Der Fall des Außerordentlichen Aufnahmezentrums von Rosolini

Mohamed und Ahmed (Namen von der Redaktion geändert) kommen am ersten Juli auf Sizilien an. Das schwedische Schiff Bkv 002, das sie mitten auf dem Meer aufgenommen hat, bringt sie zusammen mit weiteren 650 Migrant*innen und neun Leichnamen in den Hafen von Catania. „Es war unglaublich, als Europa nur noch zwei Schritte entfernt war“, beschreiben sie ihre Landung. So enthusiastisch klingen sie jedenfalls noch bei unserer ersten Begegnung im Hafen von Catania. 

Migrant*innen im Hafen von Augusta (Provinz Syrakus)

Mittwoch, 5. Juli 2017

„Als Menschen gehen sie weg, als Schatten ihrer selbst kommen sie an.“ Schiffsbrüche und Rückführungen auf dem Meer. Italien verschließt seine Tore, auch vor denen, denen die Flucht gelingt

Am 12. Juni kam in Catania eine schwedisches Schiff von Frontex mit 356 Migrant*innen und 8 Leichen an Bord an. Die Überlebenden erzählen von Dutzenden Vermissten und vom Bersten eines überfüllten Schlauchbootes, auf dem Menschen äußerst zusammengedrängt waren. Nur wenige Tage später berichtet eine Gruppe sudanesischer Geflüchteter von einem nach zweitägiger Fahrt auseinandergebrochenen Boot, von dem sich anscheinend nur ein Dutzend Personen retten konnten. Andere Geflüchtete geben Augenzeugenberichte von syrischen Frauen und Kindern wieder, die sie in Libyen getroffen hatten: sie waren gerade von der lokalen Küstenwache wieder an den Ausgangspunkt „zurückgebracht“ worden, erzählten sie, als sie weitere kleine Holzboote versinken sahen.


Das Schiff "Diciotti" der Küstenwache im Hafen von Catania

Montag, 26. Juni 2017

Migrant*innen: Die CIE* und die Hotspots, die mit ihrem Dreck, der Kälte und der Entwürdigung an Lager erinnern

MeridioNews.it – Der erste Bericht des Staatsbeauftragten für die Rechte der Inhaftierten und der Freiheitsberaubten unterstreicht die lange Mängelliste, die den Aufenthalt der in Italien angekommenen ausländischen Mitbürger*innen kennzeichnet. Hier kommen strukturelle Probleme und Verfahrensweisen zusammen, die Fragen aufwerfen zum Einhalten der Regeln. 


Dienstag, 13. Juni 2017

Wer hat Interesse an den Migrant*innen?

„Wenn dich die Militärs auf ihrem Schiff aufnehmen, kannst du beruhigt sein, denn deine Route wird bis zum Eintreffen internationaler Hilfe fortgeführt; wenn dich Männer ohne Uniform auf ein Schlauchboot stoßen, ist es sehr wahrscheinlich, dass mit ihrem Verschwinden andere Räuber kommen, um dir alles wegzunehmen und dich dahin zu schicken, woher du gekommen bist. Ich habe die Flucht dreimal versucht, erst beim dritten Versuch habe ich nach vier Tagen Sizilien erreicht.“
Das Schiff Golfo Azzurro in Pozzallo

Dienstag, 11. April 2017

Neue Zurückweisungen, Festnahmen und Hotspots. Migrant*innen, die Italien nicht schützen will, aber weiterhin ausbeutet



Ungefähr 250 mit einer einzigen Anlandung. Das ist die Zahl der Migrant*innen zumeist marokkanischer Herkunft, die, nach ihrer Ankunft mit dem Schiff Golfo Azzurro in Pozzallo vor gut einer Woche, abgewiesen wurden. Fotokopien von Ausweisungsbescheiden, mit der Auflage, sich innerhalb von 7 Tagen vom italienischen Territorium zu entfernen; Landesgrenze ist der Flughafen Rom Fiumincino. Und wieder einmal wiederholt sich das absurde Drehbuch, mit dem diese ungesetzlichen und verfassungswidrigen Verfahren implementiert wurden, die zurückführen auf die kollektiven Ausweisungen; für diese ist Italien auch vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt worden.


Das Schiff Aquarius im Hafen von Catania

Freitag, 24. März 2017

Bergung oder Rettung? Kriminalisierung der Rettungsaktionen und weitere Tragödien auf dem Meer

Die Nachricht des letzten schrecklichen Schiffsbruchs vor der Küste Libyens ist gerade Mal einige Stunden alt: Laut dem Bericht der NGO Pro-activa Open Arms, die 5 Leichname in der Nähe von zwei leeren Schlauchbooten geborgen hat, sollen ca. 240 Menschen hierbei ihr Leben verloren haben. Am vergangenen 20. März wurden weitere 38 Tote vor der Küste Libyens geborgen. Die Migrant*innen waren an Bord von 2 auf dem Meer treibenden Schlauchbooten, die von der libyschen Küstenwache „gerettet“ wurden. 

Das Schiff Ocean Carrier erreicht Pozzallo

Donnerstag, 2. März 2017

Um nicht im Schweigen zu verharren

Pozzallo, Augusta, Catania, Lampedusa, Palermo: in Sizilien enden die Seereisen der Geflüchteten aus Libyen. Entlang der Küsten gehen Rettungen, Schiffbruch und Tod in einander über. Geflüchtete sterben in Kühl-LKWs, in denen sie als Waren transportiert wurden, von der Wüste bis zur Küste Libyens, von wo sie vermutlich die Überfahrt nach Italien versucht hätten.

Die, die vor einer Woche überlebten und die Aufmerksamkeit der Medien fanden, sind wenige von Tausenden, die jeden Tag Opfer des Menschenhandels werden. Uns in Italien versuchen die Überlebenden den erlebten Horror zu beschreiben, aber sie bleiben meistens ungehört.
Ankunft der Golfo Azzurro im Hafen von Pozzallo


Donnerstag, 5. Januar 2017

Unbegleitete Minderjährige in Zeltstädten und Hotspots. Die Fälle von Pozzallo, Augusta, Catania und Messina

2016 endet mit weiteren Ankünften, Toten, Vermissten. 2017 beginnt mit dem Vorschlag für neue Haftzentren und weitere Eingrenzung der Bewegungsfreiheit der Migrant*innen. Die kriminelle Politik der Festung Europa verursacht immer mehr Auseinandersetzungen und aktive Gedenk- und Solidaritätsmaßnahmen. Am 24. Dezember kamen in Pozzallo 111 Migrant*innen an Land, aber die Berichterstattung konzentriert sich nur auf die unmittelbaren Festnahmen der zwei mutmaßlichen Schleuser. Hiermit sind es 200 Festnahmen im Jahr 2016 in der Provinz von Ragusa, Sizilien. 
Der Hotspot von Pozzallo - Foto: Lucia Borghi

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Messina: große Zeltstadt für Migrant*innen in der Ex-Kaserne "Gasparro" – Ausschreibung bereits im Amtsblatt der Republik mit einem Auftragsvolumen von 1.932.000 Euro und dennoch…

aus Stampalibera.it

Es wird nur noch ein paar Monate dauern für die Umfunktionierung der Ex-Kaserne Gasparro in Messina (im Viertel Bisconte) in eines der größten "Aufnahmezentren" Italiens für Migrant*innen, die auf eine eventuelle Umplatzierung in andere Aufnahmezentren Europas oder (für die überwiegende Mehrzahl von ihnen) auf die Abschiebung in ihre Herkunftsländer warten.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Geflüchtete werden auf Distanz gehalten – Die Festung Europa fordert durch ihre stille Mittäterschaft neue Opfer

„Europa spricht in Bezug auf Migrant*innen nur dann von Geflüchteten, wenn sie weit weg sind, etwa in Transitländern oder dort wo der Krieg tobt. Wenn wir es aber schaffen die Grenzen zu passieren, dann werden wir schnell zu Zahlen und es wird über uns wie über ein Problem diskutiert.“ L. Anfang 20 stammt aus dem Senegal. Die letzten fünf Jahre war er auf Reisen. Sein Ziel, die Festung Europa, hat er vor drei Jahren erreicht. Als er diese Worte äußert versucht er Anstand und Ruhe zu bewahren, obwohl der aufgeregte Ton die Wut, die Frustration und den Schmerz, die er täglich hinunterschlucken muss, durchblicken lässt.

Dienstag, 15. November 2016

Handelsware: unbegleitete Minderjährige auf der Flucht ohne jeglichen Schutz

„Ich bin aus Italien geflohen. Nun bin ich in einem sicheren Land.“ In den ersten Morgenstunden erreicht uns die Nachricht von A., einem jugendlichen Eritreer, den wir in Pozzallo kennengelernt und dessen erste Monate Aufenthalt in einem Zentrum für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in der Gegend von Siracusa wir verfolgt haben. Kaum angekommen, wiederholte A. immer wieder den ersten italienischen Satz, den er im Moment seiner Ankunft gehört hatte: „Du bist in Italien, einem sicheren Land.“

Montag, 31. Oktober 2016

Kampagne #overthefortress: eine zweimonatige Reise von Sizilien nach Rom auf der zentralen Mittelmeerroute und darüber hinaus

Quelle: Meltingpot.org

40 Etappen, 3400 Kilometer, ein Camper: nimm teil an der Reise und unterstütze das Crowdfunding!

Der Camper von #overthefortress schifft sich im Hafen von Igoumenitsa nach Süditalien ein um Umfragen und unabhängigen Austausch Seite an Seite mit Migrant*innen und der Gesellschaft vor Ort zu verwirklichen, um Gemeinplätze und vorherrschende Meinungen zur Diskussion zu stellen, um einer guten Aufnahmepolitik, der Solidarität und zivilem Engagement dem Weg zu bereiten.



Warum weiter gestorben wird

Wenig mehr als 100 Euro und einige Wochen Wartezeit - das ist, was jede*r italienische Staatsangehörige braucht, um einen Pass zu erhalten. Ob wir, wenn wir unsere persönlichen Dokumente anfordern und brauchen, uns bewusst sind, dass diese banalen und routinemäßigen Behördengänge für viele noch nie möglich waren oder noch immer nicht möglich sind. Ob die Bürger*innen der europäischen Union auch nur einen Moment daran denken, dass andere für die ihnen selbstverständlichen Freiheiten mit dem Leben bezahlen, oder ins Gefängnis kommen oder ihren Körper verkaufen müssen.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Migrant*innen, Anlandung in Pozzallo: „Improvisierte und überfüllte Aufnahmezentren, die geschlossenen Grenzen führen zum Zusammenbruch des Aufnahmesystems“

Von IIFattoQuotidiano.it

Paola Ottaviano, von Borderline Sizilien, einer Vereinigung von Anwälten, die sich intensiv um den Beistand für Migrant*innen kümmern, erklärt die Situation im sizilianischen Hotspot so: „Das italienische Aufnahmesystem für Migrant*innen wurde weder neu organisiert, noch wurde es angepasst an die große Menschenströme, die nun kommen.“

Montag, 10. Oktober 2016

Die Erinnerung weniger, das Schweigen vieler. Drei Landungen und 29 Leichen in Pozzallo

Ich bin geflohen, nachdem ich 40 Tage in einer Kaserne in Libyen eingeschlossen war. Ich wurde mit dem Tod bedroht, meiner Dokumente beraubt und mit Gürteln verprügelt. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, die Fähigkeit, den Tag von der Nacht zu unterscheiden. Erst als ich in Italien angekommen war, habe ich wirklich verstanden, wie viel Zeit vergangen war und als ich mich ansah, konnte ich mich selbst kaum wieder erkennen.
Das Schiff des MOAS* „Topaz Responder" in Pozzallo

Dienstag, 13. September 2016

Unbegleitete minderjährige Geflüchtete: Ihre Aufnahme bleibt eine Herausforderung

New guys arrive but their problems are not over”, so der Kommentar einiger Personen zu der Ankunft weiterer Migrant*innen vor dem Hotspot von Pozzallo. „Es sind weitere Leute angekommen, aber ihre Probleme sind noch nicht zu Ende“. Gestern sind nochmals 286 Migrant*innen am Hafen angekommen, unter ihnen ca. 20 unbegleitete Minderjährige. Kids im Alter von 15, 16, 17 Jahren aber auch jüngere 13jährige sind dabei, wie die jungen Migrant*innen mit denen wir gerade sprechen wollen. Letzten Donnerstag hat eine Delegation der OSZE (Organisation für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) den Hotspot von Pozzallo besucht, nachdem sie das Aufnahmezentrum in Mineo besucht hatte. In den Tagen zuvor hatten wir eine große Anzahl Verlegungen vom Hotspot in die umliegenden Zentren beobachtet. Unter den verlegten Migrant*innen waren auch etliche unbegleitete Minderjährige, die demzufolge während des offiziellen Besuchs nicht im Hotspot waren.

Freitag, 9. September 2016

Mehr besonders Schutzbedürftige, weniger Schutz. Verlängertes Zurückbehalten in Pozzallo und Augusta

15 tote Migrant*innen auf dem Meer, unter ihnen Frauen und Kinder.
Die Nachrichten über den Tod im Mittelmeer werden immer häufiger und lapidarer. Sie lassen den Bildern von Rettungen und Anlandungen nur geringsten funktionalen Raum, die europäische Verantwortung mit einzubeziehen und die italienischen Operationen zu rühmen. Gesichter und Körper, die schnell verschwinden, oft verurteilt zu einer Beerdigung weit entfernt von den Blicken der Freunde, oder zu einem mühsamen Überleben in einem Land, das sich als immer weniger demokratisch und aufnahmewillig entpuppt.

Freitag, 2. September 2016

Wer stirbt, wer ankommt und wer bleibt. Der Hotspot in Pozzallo platzt aus allen Nähten

„Was die Menschen in Europa nicht verstehen, ist, dass es für einen Geflüchteten, der in Libyen ankommt, weniger gefährlich ist, die Flucht über das Mittelmeer zu wagen, als zurück in sein Ursprungsland zurück zu gehen,“ sagt A., ein junger Mann aus dem Senegal, der vor zwei Jahren nach Italien gekommen ist. Wie viele andere Senegalesen verfolgt er die Rettungsmanöver im Mittelmeer von seinem Fernseher aus. Dies tut er mit gemischten Gefühlen: Einerseits empfindet er eine vorübergehende Erleichterung, andererseits kommt in ihm Wut und Ohnmacht auf. „Wer noch nie in Libyen war, kann sich nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist, dort um sein Überleben zu kämpfen. So wie jeder hier in Europa ein Handy mit sich trägt, trägt jeder Libyer jeglichen Alters eine Waffe mit sich – stets griffbereit. Aber das will hier in Italien niemand hören,“ erzählt er weiter.

Die Handelsflotte Jaguar St. John’s im Hafen von Pozzallo - Ph. Lucia Borghi

Dienstag, 16. August 2016

"Halbe Menschen"

Es ist schon 7 Uhr abends, aber die Sonne sticht immer noch. Kein Schatten auf der Autostraße durch die Felder, die vom kleinen Stadtzentrum von Marina di Modica ins Landesinnere führt. 
Vor uns auf seinem Fahrrad, mit einem Rucksack auf den Schultern, radelt S. Er ist schweißgebadet und gezwungen, die Strecke ins Zentrum von Marina di Modica so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.
Zusammen mit anderen 27 Migrant*innen ist er seit kurzem in einem der neuen Aufnahmezentren der Provinz Ragusa untergebracht. Die Kooperative Azione Sociale, die bis vor einem Monat den Hotspot in Pozzallo geführt hat, betreibt dieses neu eröffnete Zentrum sowie eine neue Einrichtung für Migrant*innen in Modica.