siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Sonntag, 5. Februar 2017

Messina: Zeltstadt am PalaNebiolo endlich abgebaut. Dreieinhalb Jahre beherbergte man hier Asylsuchende unter erniedrigenden Bedingungen

Quelle: stampalibera.it

Dreieinhalb Jahre nach seiner Umwandlung zum Zentrum der schlechten Aufnahme für Asylsuchende aus Ländern, die von Krieg, Notständen und Umweltverbrechen gezeichnet sind, findet das am nördlichen Stadtrand, in der sogenannten Conca d’Oro dell‘Annunziata gelegene Sportzentrum PalaNebiolo der Universität Messina nun vielleicht wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück: ein Spielfeld für Baseballkurse am Fuße des Peloritanischen Gebirges.

Dienstag, 24. Januar 2017

Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Sohn getötet wurde

Viele, zu viele solcher Telefongespräche während des letzten Wochenendes! Zu viele Meldungen von Müttern und Vätern, Schwestern und Brüdern, die auf Nachrichten warten von ihren Angehörigen, die Opfer unseres Abwehrkampfes gegen die Migrant*innen. Ein Kampf, der jeden Tag Opfer fordert: während des Wochenendes vom 13. – 15. Januar 2017 starben auf Grund der europäischen Migrationspolitik mehr als 200 Personen.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Unbegleitete Minderjährige in Zeltstädten und Hotspots. Die Fälle von Pozzallo, Augusta, Catania und Messina

2016 endet mit weiteren Ankünften, Toten, Vermissten. 2017 beginnt mit dem Vorschlag für neue Haftzentren und weitere Eingrenzung der Bewegungsfreiheit der Migrant*innen. Die kriminelle Politik der Festung Europa verursacht immer mehr Auseinandersetzungen und aktive Gedenk- und Solidaritätsmaßnahmen. Am 24. Dezember kamen in Pozzallo 111 Migrant*innen an Land, aber die Berichterstattung konzentriert sich nur auf die unmittelbaren Festnahmen der zwei mutmaßlichen Schleuser. Hiermit sind es 200 Festnahmen im Jahr 2016 in der Provinz von Ragusa, Sizilien. 
Der Hotspot von Pozzallo - Foto: Lucia Borghi

Freitag, 4. November 2016

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Palermo

In den letzten Tagen haben wir die Erklärungen des Bürgermeisters von Gorino und über die Proteste seiner Mitbürger*innen gelesen. Viele von uns haben jene Fälle verurteilt. Ohne Zweifel haben Rassismus und Unwissenheit Ungeheuer für die Titelseiten geschaffen, aber es ist zu leicht „auf das Rote Kreuz zu feuern.“ Kein Medium hat die Fehler der Präfektur und der anderen übergeordneten Institutionen hervorgehoben, die es nicht geschafft haben einen Aufnahmeplan zu strukturieren. Es gibt kein Interaktionsprojekt zwischen den Neuankömmlingen und der lokalen Gemeinschaft. Man hat sicher erst in der Notsituation geregt, um den hundertsten sozialen Konflikt zu entfachen: eine Methode um das wahre Gesicht der Migrationspolitik zu verbergen und weiterhin Opfer zu fordern. 

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Lampedusa

Es befinden sich ganze 850 Menschen im Hotspot von Contrada Imbriacola auf Lampedusa, einer Einrichtung (in teilweise unbenutzbaren Zustand), die nur auf 250, maximal 300 Menschen ausgelegt ist. Das hat zur Folge, dass den Menschen hier täglich Unmenschliches widerfährt. Auf Lampedusa sind Misshandlungen nur möglich, weil die Insel weit weg von Augen und Herzen der Öffentlichkeit liegt. Hier wird Minderjährigen, Frauen und anderen Menschen, die besonderen Schutz brauchen Leid angetan, das wider das Gesetz ist. Hier werden Menschen festgehalten, ohne sie nach dem Geschlecht zu trennen, ohne dass mehrere Monate etwas passiert. Hier können sie vor der Öffentlichkeit und vor humanitärer Hilfe verwahrt werden, in einem Hotspot, der off-limits ist und den Zugriff erschwert.

Montag, 5. September 2016

Neue Landungsverfahrensweisen oder das komplette Durcheinander? Die „verzögerter Landung“ in Messina ist kein Einzelfall

In aleis strenua – in pugna invicta”, „Entschlossen in der Risikobereitschaft, unbesiegbar in den Kämpfen“ Das ist das Motto der mächtigen Virginio Fasan (F591), einer Fregatte der Militärmarine, deren unüblicher und verlängerter Aufenthalt im Hafen von Messina die Neugier der Passanten geweckt hat und die Zweifel der örtlichen Aktivist*innen nach sich gezogen hat. Diese Bedenken wurden in der Pressemitteilung der PRC* von Messina ausgedrückt. Diese hat wiederum dazu geführt, dass wir gerade noch rechtzeitig angekommen sind, um den letzten Akt der Landung mitzuerleben, die die längste und anstrengendste der letzten Zeit geworden ist. Die letzte Gruppe Migrant*innen, ca. 150 von insgesamt 1159 Personen, durfte erst gegen 21:00 Uhr am Donnerstag, den 1. September, das Schiff verlassen, also mehr als 48 Stunden nachdem die Landungsaktion am späten Nachmittag des Dienstags, den 30. August, angefangen hatte.

Donnerstag, 1. September 2016

Mach dir keine Sorgen Papa, ich sterbe glücklich, weil ich weiß, dass ihr überlebt habt

In Anbetracht des Todes eines unschuldigen Menschens, kann ich nicht anders, als Leid zu empfinden. Allein der Gedanke, dass eine geliebte Person ohne Schuld und zu Unrecht sein Leben verliert, jagt mir einen Schauder ein. Bei dem Versuch, anderen das Leben zu retten, musste ein Vater die Leiche seiner Tochter im Meer zurücklassen. Diese Nachricht – eine weitere Tragödie und Auswirkung der mörderischen europäischen Politik – erschüttert mich zutiefst.
Was können wir tun, um einem verzweifelten Vater, der Ehefrau und Tochter verloren hat, zu helfen?

Die fünf Leichname erreichen den Hafen von Trapani – Foto von Giorgia Mirto

Dienstag, 2. August 2016

Wir sitzen unter'm Holderbusch und machen alle husch, husch, husch

Das ist nicht nur ein beliebter Kinderreim, sondern beschreibt treffend den Zustand der Geflüchteten auf den Rettungsboten. Hier warten sie darauf, am Ankunftshafen identifiziert und mittels Fingerabdrücken erfasst zu werden. Sie sitzen am Boden, so dass diejenige auf sie herabschauen, die über ihr Schicksal entscheiden. 

Sonntag, 31. Juli 2016

Tote: das Meer kann nicht mehr

Die Toten sind dermaßen viele, dass das Meer sie, entlang der libyschen Küsten, wieder ausspuckt. An dem Ort an dem viele aufbrechen, auf der Suche nach einem neuen Leben, das sowohl den Frauen, als auch den Männern jeden Alters bisher vorenthalten wurde. Weitere Tote wurden in den letzten Wochen von den humanitären Schiffen wie Acquarius und Dignity von Ärzte ohne Grenzen geborgen. Die letzten in dieser Chronologie, sind die Leichen von 22 jungen Frauen, in der letzten Woche in Trapani an Land gebracht. Frauen und Minderjährige sind die ersten Opfer der Überfahrt von Libyen nach Italien, denn sie befinden sich im Inneren der Boote.

Freitag, 8. Juli 2016

Viele kommen, wenig Hilfe. Migrant*innen sind unter immer schlimmeren Bedingungen auf sich selbst gestellt

4.500 Menschen wurden innerhalb weniger Stunden gerettet und in die großen sizilianischen Häfen gebracht: Pozzallo, Augusta, Catania, Messina, Porto Empedocle und Palermo. Die Ankunft einer großen Zahl von Migrant*nnen geht paradoxerweise mit einer größeren Unsichtbarkeit der Geflüchteten und geringerer Fürsorge einher. Kommt es zu mehreren Landungen an einem Tag, geschieht es häufig, dass die Mitarbeiter*innen der Nichtregierungsorganisationen sich auf die verschiedenen Häfen aufteilen müssen, damit niemand übersehen wird.

Dienstag, 5. Juli 2016

Zwei aufeinanderfolgende Landungen am Hafen von Catania

Von Rete Antirazzista Catanese
Um 16.30 ist am Kai 8 des Hafens von Catania das Schiff der Küstenwache CP 906 Corsi angelaufen, an Bord 315 Geflüchtete sub-saharischer Herkunft (darunter viele Frauen und Kinder) und ein Leichnam. Wie leider so oft bei den Landungen war zwischen den Pavillons auch sofort der Erkennungsdienst vor Ort. Er ist dafür zuständig, Fingerabdrücke zu nehmen, gibt aber vorher keinerlei Informationen über die Folgen - eine Routine, die sich wiederholt, ohne dass unabhängige Organisationen die Möglichkeit haben, Informationen über das Stellen von Asylanträgen herauszugeben.

Foto: Alfonso Di Stefano

Am Landungssteg ist der Leichnam eines verstorbenen Geflüchteten angekommen, der sofort von einem Leichenwagen abtransportiert wurde.
Um 17.45 Uhr landete am selben Landungssteg ein gigantisches Handelsschiff, EEMSGRACHT, mit 144 Geflüchteten an Bord. Die Landungen sind noch im Gange und das Ziel der Busse ist unbekannt, doch einige der Busfahrer*innen haben behauptet, dass ein Großteil von ihnen nach Norditalien gebracht werden.




Alfonso di Stefano
Übersetzung: Lara Simon

Freitag, 1. Juli 2016

Je weniger Migrant*innen wir aufnehmen, solange sie leben, desto mehr Tote kommen an: In Catania landete ein Schiff mit 10 Toten an.

Von Rete Antirazzista Catanese*

Diese bittere Feststellung bestätigt sich jeden Tag von Neuem: Die Anzahl der registrierten Toten ist immens, aber unsere Regierung ist mehr an demagogischen pressewirksamen Aktionen interessiert, wohlwissend, dass die von Europa und Frontex angestrebte Einigelungspolitik mitverantwortlich ist für die Schiffsbrüche einerseits und die üppigen Gewinne der Mafia im Mittelmeer andererseits ist. Im Hafen von Catania ist die Landungsoperationen der 348 Migrant*innen aus dem Schiff der Küstenwache CP 941 U. Diciotti beendet worde: Die Migrant*innen, die überwiegend aus Nigeria und aus der Südsahara stammen, wurden von den untergehenden Schlauchbooten ca. 20 Meilen vor der lybischen Küsten in drei verschieden Rettungsaktionen geborgen.

Dienstag, 10. Mai 2016

Lampedusa: anhaltender Protest

Die letzten Meldungen von Lampedusa sind nicht erbaulich, wenn man bedenkt, dass sich die circa 60 Demonstrant*innen seit vier Tagen nicht von dem Platz gegenüber dem Pfarrhaus in San Gerlando fortbewegen und noch immer schreitet niemand ein. Die Ordnungskräfte führen weiterhin mit der Sicherung des Platzes im Dorf fort, indem sie geduldig auf das Schwächeln von Seite der Migrant*innen warten. Die Demonstrant*innen werden von den Bewohner*innen Lampedusas unterstützt, die jeden Tag Lebensmittel und ihre Solidarität anbieten und die Aktivist*innen mit Thermodecken und anderen Komfortgütern ausstatten, um ihnen zu helfen, die Nacht mit dem Gefühl zu verbringen, weniger allein gelassen zu sein.

Dienstag, 18. November 2014

Vorurteile, die zurückweisen

Die Fremdenfeindlichkeit, die wir bei vielen Menschen, die in der Nähe von „Nicht“-Aufnahmezentren wohnen, bemerken, ist stark ausgeprägt und immer weiter verbreitet. Wahrscheinlich, wenn nicht sogar mit Sicherheit, ist sie das Ergebnis einer medienwirksamen Kampagne mit rassistischem Hintergrund, ebenso wie eine Folge von Desinteresse und mangelnder Informationen. Was uns jedoch am meisten trifft sind nicht die Kommentare der Menschen, die wir in Cafés oder auf den Plätzen in näherer Umgebung zu den Aufnahmezentren hören, sondern vielmehr die Worte und Verhaltensweisen von immer weniger professionell handelnden und weniger toleranten Angestellten, die grundsätzlich schlecht auf die Aufnahme von Menschen unterschiedlicher Kulturen und mit teils schwerwiegenden Problemen vorbereitet sind.

Montag, 10. Oktober 2011

Sie nennen sie die Frauen von Lampedusa. Und sie sind noch immer guter Hoffnung

Von Marta Bellingreri für ciss (Internationale Zusammenarbeit Süd – Süd)

Im Mai haben sie sie die Frauen von Lampedusa genannt. Die schwangeren Frauen, angelandet auf Lampedusa, überführt ins städtische Krankenhaus von Palermo. Jetzt sind sie schon seit einiger Zeit nicht mehr im Krankenhaus, denn ihre Kinder sind in den Monaten Mai und Juni geboren, als wir sie zum ersten Mal getroffen haben: Man nennt sie die Frauen von Lampedusa. Aber sie sind noch immer guter Hoffnung.