siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.
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Montag, 18. Dezember 2017

Ein Hund ist mehr wert als ein Schwarzer

Ein Hund oder eine Katze können in Campobello di Mazara mit den Mitteln der Stadt für etwa 2.000 Euro von einem Tierarzt behandelt werden. Dagegen fehlen bei uns die Mittel, um die 1.800 Migrant*innen, die unsere Oliven pflücken, entsprechend zu entlohnen. Beim Surfen im Netz gefunden, bestätigt diese Meldung einmal mehr, dass bei uns die Migrant*innen weniger als nichts wert sind: ihnen können wir alle Freiheiten und Rechte vorenthalten, weil wir sie wie Tiere behandeln, die noch weniger wert sind als Hunde und Katzen.


Montag, 30. Oktober 2017

Immer mehr auf sich allein gestellt und isoliert

Die Gemeinden Castallana, Collesano, Geraci, Isnello, Palazzo Adriano, Ciminna, San Cipirrello, Villafrati, Marineo und Godrano sind nur einige Gemeinden in der Provinz von Palermo, in denen außerordentliche Aufnahmezentren eröffnet wurden. Diese liegen verstreut und versteckt zwischen den Hügeln der Madonie* . Bereits bestehende und neue Genossenschaften haben zwischen Wäldern und Höfen, die Ferien auf dem Bauernhof anbieten, ihre Tore geöffnet, weit entfernt von allen bewohnten Zentren. 

Tunesische Migrant*innen am Bahnhof von Agrigent. Sie sind gezwungen auf dem Boden zu schlafen

Mittwoch, 5. Juli 2017

„Als Menschen gehen sie weg, als Schatten ihrer selbst kommen sie an.“ Schiffsbrüche und Rückführungen auf dem Meer. Italien verschließt seine Tore, auch vor denen, denen die Flucht gelingt

Am 12. Juni kam in Catania eine schwedisches Schiff von Frontex mit 356 Migrant*innen und 8 Leichen an Bord an. Die Überlebenden erzählen von Dutzenden Vermissten und vom Bersten eines überfüllten Schlauchbootes, auf dem Menschen äußerst zusammengedrängt waren. Nur wenige Tage später berichtet eine Gruppe sudanesischer Geflüchteter von einem nach zweitägiger Fahrt auseinandergebrochenen Boot, von dem sich anscheinend nur ein Dutzend Personen retten konnten. Andere Geflüchtete geben Augenzeugenberichte von syrischen Frauen und Kindern wieder, die sie in Libyen getroffen hatten: sie waren gerade von der lokalen Küstenwache wieder an den Ausgangspunkt „zurückgebracht“ worden, erzählten sie, als sie weitere kleine Holzboote versinken sahen.


Das Schiff "Diciotti" der Küstenwache im Hafen von Catania

Mittwoch, 14. Juni 2017

Die Toten die helfen Wählerstimmen einzufangen

Der Wahlsonntag ist kaum vorbei, doch die wirklich wichtigen Nachrichten werden unter einer Glasglocke gehalten, um sie bestmöglich zu verstecken. Auch heute, wie bereits seit Jahren, gibt es zahlreiche Tote zu beklagen und man wird Zeuge der Übergabe von über 500 Personen an die lybische Küstenwache. Unter ihnen zahlreiche Kinder und sogar Syrer*innen, deren Ankunft in deutschen und italienischen Städten dank der Verteilungsquoten und der humanitären Korridore noch vor wenigen Monaten bejubelt wurde.


Der Hotspot in der Gegend Imbriacola, auf Lampedusa

Freitag, 14. April 2017

Die aktuelle Lage im Camp Pian del Lago nach der x-ten Räumung

Die Ordnungskräfte haben das Camp Pian del Lago in Caltanissetta Mitte März erneut geräumt. Dies hatte nur die Folge, dass die Personen, die unter der Überführung der nahen Landstraße vorläufig Zuflucht gefunden hatten, nur für kurze Zeit vertrieben wurden. Nach dem Polizeieinsatz am frühen Morgen wurden einige Geflüchtete in Aufnahmezentren von Caltanissetta gebracht. Viele andere, die keine neue Bleibe gefunden haben, waren gezwungen noch in der selben Nacht ihre Zelte wieder aufzubauen. 


Mittwoch, 29. März 2017

Migration, das Dekret Minniti-Orlando wird verabschiedet: hier alle kritischen Punkte

Von Redattoresociale.it

Die Regierung erhält das Vertrauen vom Senat. Das Ziel des Innenministers ist es, die Verfahren zu entschlacken und klare Regeln für die Aufnahme zu gewährleisten. Doch es hagelt Kritik: von Sant’Egidio bis ARCI* protestieren alle gegen das Dekret. Schiavone (ASGI*): „Nur eine Norm des politischen Manifests, kein Kriterium der Notwendigkeit und Dringlichkeit“. 


Mittwoch, 15. März 2017

Die italienischen Abschiebungen mit Unterstützung von Frontex

Obwohl das Versagen des Hotspot-Systems für alle sichtbar ist, kündigt die Regierung die Eröffnung weiterer Zentren an: die nächsten werden in Messina und Mineo sein, laut den Angaben des Polizeichefs Gabrielli. Sizilien muss also weiterhin den starken Militarisierungsprozess erleiden, auch durch die Festnahme tausender Migrant*innen. 

Der Kapitalismus - Illustration von Francesco Piobbichi


Donnerstag, 9. Februar 2017

Schwerste Verletzungen der Rechtsnormen auf Lampedusa

In diesen, aus menschlicher Sicht, so gefühllosen Zeiten, stellen wir uns immer wieder die selbe Frage, wie viel weiter können wir noch gehen? Die eingeschlagene Richtung ist klar, Mauern, Ablehnung und Vernachlässigung. Die Konsequenzen dieser unmenschlichen politischen Entscheidungen bezahlen die Migrant*innen. Entweder werden sie in Libyen zu Schlachtfleisch (der Staat hat die Genfer Konvention nicht unterzeichnet), sie sterben im Meer oder sie werden in Italien ausgenutzt und allein gelassen. Heute, nachdem die Jagd auf Migrant*innen offiziell eröffnet wurde, hat sich ihre Lage noch verschlimmert und die Suchaktionen in den Städten sind bereits angelaufen.
Migrant*innen aus Lampedusa sind in Porto Empedocle angekommen. Ph: Alberto Todaro

Freitag, 4. November 2016

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Trapani

Drei Ausschiffungen pro Woche sind auch für Trapani, wo es keinerlei Perspektive für die Ankommenden, sondern nur unüberwindliche Mauern gibt, zu viel. Mehr als 1000 Menschen bei drei Ausschiffungen haben den Mechanismus eines Hotspots*, der im allgemeinen besser als andere funktioniert, auf eine harte Probe gestellt.

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Lampedusa

Es befinden sich ganze 850 Menschen im Hotspot von Contrada Imbriacola auf Lampedusa, einer Einrichtung (in teilweise unbenutzbaren Zustand), die nur auf 250, maximal 300 Menschen ausgelegt ist. Das hat zur Folge, dass den Menschen hier täglich Unmenschliches widerfährt. Auf Lampedusa sind Misshandlungen nur möglich, weil die Insel weit weg von Augen und Herzen der Öffentlichkeit liegt. Hier wird Minderjährigen, Frauen und anderen Menschen, die besonderen Schutz brauchen Leid angetan, das wider das Gesetz ist. Hier werden Menschen festgehalten, ohne sie nach dem Geschlecht zu trennen, ohne dass mehrere Monate etwas passiert. Hier können sie vor der Öffentlichkeit und vor humanitärer Hilfe verwahrt werden, in einem Hotspot, der off-limits ist und den Zugriff erschwert.

Montag, 31. Oktober 2016

Warum weiter gestorben wird

Wenig mehr als 100 Euro und einige Wochen Wartezeit - das ist, was jede*r italienische Staatsangehörige braucht, um einen Pass zu erhalten. Ob wir, wenn wir unsere persönlichen Dokumente anfordern und brauchen, uns bewusst sind, dass diese banalen und routinemäßigen Behördengänge für viele noch nie möglich waren oder noch immer nicht möglich sind. Ob die Bürger*innen der europäischen Union auch nur einen Moment daran denken, dass andere für die ihnen selbstverständlichen Freiheiten mit dem Leben bezahlen, oder ins Gefängnis kommen oder ihren Körper verkaufen müssen.

Montag, 10. Oktober 2016

Die Erinnerung weniger, das Schweigen vieler. Drei Landungen und 29 Leichen in Pozzallo

Ich bin geflohen, nachdem ich 40 Tage in einer Kaserne in Libyen eingeschlossen war. Ich wurde mit dem Tod bedroht, meiner Dokumente beraubt und mit Gürteln verprügelt. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, die Fähigkeit, den Tag von der Nacht zu unterscheiden. Erst als ich in Italien angekommen war, habe ich wirklich verstanden, wie viel Zeit vergangen war und als ich mich ansah, konnte ich mich selbst kaum wieder erkennen.
Das Schiff des MOAS* „Topaz Responder" in Pozzallo

Dienstag, 20. September 2016

Vom Meer auf die Felder, Migrant*innen laufen durch unsere Städte


Was haben eine junge Frau aus Ghana, ein Herr mittleren Alters aus Nigeria und ein starker, großer, junger Mann aus dem Senegal gemeinsam? Die Hautfarbe zweifelsohne zuerst, aber auch die Gewalt und die Ausbeutung, unter denen sie alle gelitten haben und die Tatsache, dass sie von unseren Gesetzen getötet wurden.
Unser System hat sich dafür entschieden, die Migrant*innen zu opfern, um sich selbst zu erhalten; Es hat sich entschieden, die zu ächten, die versuchen, aus der Asche, die wir in ihren Herkunftsländern hinterlassen haben, wiederaufzuerstehen; Jungen und Mädchen zu verdammen, die ständig vom Tod begleitet werden, der oft leider die Oberhand gewinnt.
Ankunft in Palermo - Foto: Alberto Biondo

Montag, 5. September 2016

Neue Landungsverfahrensweisen oder das komplette Durcheinander? Die „verzögerter Landung“ in Messina ist kein Einzelfall

In aleis strenua – in pugna invicta”, „Entschlossen in der Risikobereitschaft, unbesiegbar in den Kämpfen“ Das ist das Motto der mächtigen Virginio Fasan (F591), einer Fregatte der Militärmarine, deren unüblicher und verlängerter Aufenthalt im Hafen von Messina die Neugier der Passanten geweckt hat und die Zweifel der örtlichen Aktivist*innen nach sich gezogen hat. Diese Bedenken wurden in der Pressemitteilung der PRC* von Messina ausgedrückt. Diese hat wiederum dazu geführt, dass wir gerade noch rechtzeitig angekommen sind, um den letzten Akt der Landung mitzuerleben, die die längste und anstrengendste der letzten Zeit geworden ist. Die letzte Gruppe Migrant*innen, ca. 150 von insgesamt 1159 Personen, durfte erst gegen 21:00 Uhr am Donnerstag, den 1. September, das Schiff verlassen, also mehr als 48 Stunden nachdem die Landungsaktion am späten Nachmittag des Dienstags, den 30. August, angefangen hatte.

Freitag, 2. September 2016

Wer stirbt, wer ankommt und wer bleibt. Der Hotspot in Pozzallo platzt aus allen Nähten

„Was die Menschen in Europa nicht verstehen, ist, dass es für einen Geflüchteten, der in Libyen ankommt, weniger gefährlich ist, die Flucht über das Mittelmeer zu wagen, als zurück in sein Ursprungsland zurück zu gehen,“ sagt A., ein junger Mann aus dem Senegal, der vor zwei Jahren nach Italien gekommen ist. Wie viele andere Senegalesen verfolgt er die Rettungsmanöver im Mittelmeer von seinem Fernseher aus. Dies tut er mit gemischten Gefühlen: Einerseits empfindet er eine vorübergehende Erleichterung, andererseits kommt in ihm Wut und Ohnmacht auf. „Wer noch nie in Libyen war, kann sich nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist, dort um sein Überleben zu kämpfen. So wie jeder hier in Europa ein Handy mit sich trägt, trägt jeder Libyer jeglichen Alters eine Waffe mit sich – stets griffbereit. Aber das will hier in Italien niemand hören,“ erzählt er weiter.

Die Handelsflotte Jaguar St. John’s im Hafen von Pozzallo - Ph. Lucia Borghi

Freitag, 26. August 2016

Die Stimmen der Abgeschobenen, zwischen tötenden Mauern und Gleichgültigkeit

In diesen schwülen Augusttagen lesen wir verschiedene Geschichten über Gewalt an Migrant*innen. Vom Politiker, der Verordnungen erfindet um die Solidarität gegenüber einem um Essen bettelnden, Migranten zu verbieten; über die Jugendlichen, die beim Versuch ihre Eltern zu erreichen sterben, weil sie von einer gleichgültigen Gesellschaft erdrückt werden; bis hin zu niederträchtigen Strafverlegungen gegen Migrant*innen, die die Landschaft vieler italienischer Städte bevölkern. Das Klima das wir erleben ist das Ergebnis eines zunehmenden institutionellen Rassismus. Dieser schafft und legitimiert eine Gewalt, die Mauern errichtet und, vor allem, tötet. Aus diesen Gründen spült das Meer weiterhin Leichen an, die letzten fünf am vergangenen 21. August. 

Freitag, 3. Juni 2016

Der Hotspot In Messina ist beschlossene Sache. Er soll zusammen mit dem von Cara di Mineo 2800 Plätze sichern.

Von Tempostretto.it

Ende Februar kam die Meldung, dass das Ministerium die Absicht habe, das Projekt der Einrichtung eines Hotspots, von Augusta nach Messina zu verlegen. Vier Monate später ist diese Meldung nun Gewissheit: das Viminale und die EU – Kommission für Flüchtlingsangelegenheiten haben die Absicht, zwei neue Hotspots in Sizilien, in Messina und in Mineo, einzurichten. Der Hotspot Messina ist sicher. Die Stadt steht neben Mineo als zweiter Name bei der Nennung der neuen Hotspots in Sizilien. Wenn die von den nationalen Agenturen bisher verweigerte offizielle Bestätigung da ist, ist die Tatsache als solche nicht als Neuigkeit zu verzeichnen. Ende Februar hatte Vladimiro Polchi in der Tageszeitung La Repubblica zu ersten Mal bekannt gemacht, dass dies die Absicht der Viminale und der EU Kommission sei. Tempostretto.it brachte diese Nachricht als Schlagzeile auf regionaler Ebene, nachdem man bestätigende Antworten eingeholt hatte. Die örtlichen Institutionen und Verbände reagierten damals jedoch mit totalem Schwiegen.

Mittwoch, 11. September 2013

Die Zurückschiebungen nach Ägpyten gehen weiter. Weitere Syrer landen in der Region Syrakus an

Gestern wurden 10 Ägypter aus Catania nach Ägypten abgeschoben. Die erwachsenen Nordafrikaner waren am 7. September auf einem Boot on der Nähe von Lampedusa abgefangen und in den sizilianischen Hafen Augusta geleitet worden. Man hatte sie erst einmal in der Umberto I Schule in Syrakus untergebracht. Wie wir erfahren haben haben die Organisaionen des PRAESIDIUM-Projektes (UNHCR, IOM, Save the Children, Rotes Kreuz) die Ägypter über das Asylverfahren informiert, es wollte jedoch niemand Asyl in Italien beantragen.

Samstag, 24. August 2013

Zehn Ägypter abgeschoben. CIR: handelt es sich um illegale Zurückweisungen?


CIR – Am 19. August landeten 10 Ägypter in Catania an. Am 21. August wurden sie mit einem Flug der Ägypter nach Ägypten zurückgeschoben. Es scheint, als habe niemand trotz der schwierigen Lage, in der sich das Land befindet, überprüft, ob sich Asylsuchende unter ihnen befinden. “So, wie diese Rückführung abgelaufen ist könnte es sich um eine illegale Zurückweisung handeln”, so Maria de Donato, Verantwortliche der Rechtsabteilung des italienischen Fluechtlingsrats CIR.