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Freitag, 12. August 2011

Lampedusa, aber zu welchem Preis?

Gestern Morgen am Flughafen, während ich von weitem der Überführung von 20 Maghrebinern, unter denen scheinbar auch eine Frau war, direkt vom CIE des Ponte Galera nach Rom zusah, dachte ich noch einmal an die Transport- und die Betriebskosten der Zentren, dachte an einen Artikel zurück, den ich gelesen hatte, bevor ich an die Küsten von Frontex für die per Flugzeug Abgeschobenen gereist war, und ich dachte an die Erzählungen von Fischern und einigen Bewohnern der Insel zurück.
Ich dachte an die Geschichte von Lampedusa, eine früher wirtschaftlich selbstständigere Insel, auf der – über den Fischfang hinaus – Landwirtschaft und Viehzucht den Lebensunterhalt garantierten, ich dachte an das überlieferte Bild einer Insel gezeichnet von Wein, süßen Trauben und Johannisbrotbäumen, von Tomaten, hausgemachtem Brot und Käse. Die fortschreitende Abholzung, nötig für die Schaffung von Platz für den Anbau und für die Vermehrung des Aufbaus, und dabei ist unvermeidlich das Land abgestorben. In den 50er Jahren, mit Beginn des elektrischen Stroms, hat die Möglichkeit, Fisch auf Eis zu konservieren, dazu geführt, die Wirtschaft des Tauschhandels gebunden an Landwirtschaft und Viehzucht aufzugeben, um sich dem Fischfang und der Währungswirtschaft zu widmen, an den Handel gebunden. Heute ist auch der Fischfang an seinem Ende, einerseits wegen der Reduzierung des Fischreichtums des Mittelmeeres, andererseits wegen des Mangels an Generationswechsel; die Landwirtschaft existiert praktisch nicht mehr, genauso wie die Viehzucht…es gibt nur Kaninchen, Kakteen und entblößte Festungen, von der Sonne und vom Wind geschädigt. Im Augenblick kommt alles in Lampedusa von auswärts und alles ist sehr teuer: das Wasser, die Nahrung, das Öl für das Verkehrswesen und den elektrischen Strom…es gibt nur ein naturwissenschaftliches Gymnasium, eine einzige Poliklinik, in welcher die Fachärzte sich an bestimmten Tagen der Woche abwechseln…als Beispiel: wenn du dienstags Zahnschmerzen hast, musst du warten, bis freitags der Zahnarzt kommt…am Ende habe ich gedacht, dass der Staat, eher als sich darauf zu versteifen, Geld auszugeben, um die Rechte von freien Männern und Frauen zu brechen, das anvertraute Geld dafür ausgeben könnte, einer lampedusanischen Frau zu erlauben, in ihrem eigenen Haus ein neues Leben zur Welt zu bringen, ohne viele hundert Euro dafür ausgeben zu müssen, mit Mutter oder Schwester einen Monat vor der Geburt nach Agrigento überzusiedeln.
Um mehr über die Repatriierungskosten zu erfahren, lies den Artikel auf Frontex:
Anna Garrapa, Brigate della Solidarietà Attiva
(aus dem Italienischen von Anna Bernhard)